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15. 02. 2017

„Armutslöhne“ in der Floristik: pure Polemik oder wahre Worte?

Die IG BAU fordert, dass Floristen im Osten nicht weniger als 9,10 Euro in der Stunde verdienen dürfen. Foto: pressmaster Fotolia

„Armutslöhne vergällen Kunden die Freude an Blumen“, titelte eine Pressemitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt rechtzeitig zum gestrigen Valentinstag. Der Fachverband Deutscher Floristen reagierte heute und warf der Arbeitnehmervertretung vor, durch pure Polemik Rufschädigung für eine ganze Branche zu betreiben.

Armutslöhne rauben Kunden die Freude über Floristik

„Gerade an Tagen wie dem Valentinstag zeigen Floristinnen und Floristen was sie können. Sie binden die Sträuße nicht nur perfekt, sondern auch in Rekordzeit. Das ist ein Knochenjob, der fair bezahlt werden muss“, sagte der IG BAU-Verhandlungsführer Jörg Heinel. „Kunden können unmöglich Freude an den Blumen für ihre Partner haben, wenn sie wissen, welche Armutslöhne in der Branche noch üblich sind.“

Der FDF machte im Gegenzug klar, die Arbeitnehmervertretung mit Blick auf den Imageschaden der Branche ausdrücklich gebeten zu haben, keine negative Presseinformationen während den wichtigen Blumenschenktagen zugunsten ihrer und unserer Mitglieder zu veröffentlichen.

FDF: Mehr Umsatz Voraussetzung für bessere Löhne

„Jeder Florist, der in die Kalkulation der Verkaufspreise eingebunden ist, weiß, dass gerade heute sich kein Arbeitgeber eine goldene Nase verdient. Deshalb kommt die jährliche Pressemeldung der Gewerkschaft wieder mal zur Unzeit. Die IG BAU sorgt für schlechte Stimmung an einem Tag an dem wir zusammen für gute Umsätze stehen sollten. Denn nur daraus generiert man bessere Löhne", konterte Kai Jentsch, Vorsitzender der FDF-Tarifkommission, gleichermaßen.

Erst am 19. Januar hatten der FDF als Arbeitgeber- und die IG BAU als Arbeitnehmervertretung die Gespräche für einen neuen Floristen-Tarif ergebnislos abgebrochen.

Floristik: IG BAU fordert rund sechs Prozent mehr Lohn im Westen

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung des Tariflohns über 5,9 Prozent in den westlichen Bundesgebieten, in denen Floristen 10,26 Euro verdienen. Im Osten wiederum dürfe kein Entgelt unter 9,10 Euro bestehen, denn hier würden momentan lediglich 8,80 Euro die Stunde gezahlt und somit vier Cent weniger, als es der gesetzliche Mindestlohn vorsieht. Der Fachverband Deutscher Floristen wiederum konterte mit einem Angebot für eine Lohnanhebung von jeweils 16 Cent in den kommenden beiden Jahren, allerdings nur für Beschäftigte, die im Westen arbeiten.

„Dass der Lohn im Osten sogar unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro liegt, zeigt welche Strategie vor allem die Ostarbeitgeber fahren. Sie wollen auf keinen Fall mehr zahlen als das Mindestentgelt. Dazu passt, dass die Arbeitgeber bei der ersten Tarifverhandlung eingestanden haben, kein Verhandlungsmandat für den Osten zu haben“, kommentiert der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum.

Laut Arbeitgeberseite stellen die Lohntarife gewollte tarifliche Lohnuntergrenzen dar, denn in Floristik-Fachgeschäften würden vielfach leistungsorientierte Aufschläge gezahlt.

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