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Blumensträuße in 3D-Animation

Auf der Hannover-Messe stellte im Rahmen der Sonderpräsentation „Young Tech Enterprises“ der Niederländer Eric Egberts die Gestaltungssoftware „BloomyPro Florist“ und die neue Internetplattform „Bobby Rose“ vor, die es lokal ansässigen Floristen ermöglichen soll, mit ihren eigenen Werkstücken die Verbraucher – wo auch immer die sich aufhalten – zu erreichen. Was steckt dahinter? Von Martin Hein

Auf der Internetseite von BloomyPro wird darauf hingewiesen, dass im Online-Geschäft mit Blumensträußen in der Regel nur rund 40 Gattungen genutzt werden. Foto: Christian Mannsbart

Blumengroßhandel nutzt bereits 3D-Darstellung von Blumensträußen

Grundlage der Cloud-basierten Plattform ist eine Software, über die es möglich ist, Sträuße in 3D-Darstellung am Computer zu entwerfen. Diese Technologie wird nach Angaben von Eric Egberts gegenwärtig hauptsächlich von Erzeugern und dem Blumengroßhandel genutzt. Die Referenzliste (Europa und USA) zeigt, dass es sich in der Regel um sehr große Unternehmen handelt. Diese können aufgrund der 3D-Technologie die digitalen Sträuße von allen Seiten sehen und jederzeit verändern. Ein auf Youtube platziertes Video zeigt, wie es geht. Reale Straußbeispiele oder Zusammenstellungen über Kataloge und Blumenlisten, die bisher zwischen Anbietern und Großkunden – wie etwa Supermarktketten – zirkulieren, sollen somit überfällig werden. Die Software bietet zudem die Möglichkeit, 3D-Displays zu erstellen und Verkaufsdaten zu analysieren.

Vorgestellt auf der Hannover Messe wurde ebenfalls das Konzept von „Bobby Rose“. Die Plattform soll die Technologie von „BloomyPro Florist“ nutzen. Sie wurde „speziell für den Onlineverkauf von Blumensträußen entwickelt, welche der lokale floristische Fachmann kreiert hat“, heißt es in einer Pressemeldung von BloomyPro. „Bobby Rose“ sei das „Onlinekonzept, das Floristen und Verbraucher miteinander verbindet“.

Blumenstrauß, der einem besonders gefällt, scannen

Zur Erläuterung verweist Eric Egberts auf die Plattform „Deliveroo“. Das in England gegründete und mittlerweile in mehreren Ländern tätige Unternehmen organisiert die Online-Bestellung und den Vertrieb von Gerichten unterschiedlicher Partnerrestaurants.

So soll das auch mit Sträußen der unterschiedlichen Floristen funktionieren. Der Kunde, etwa in München, sieht auf der Online-Plattform einen besonders attraktiven Strauß eines Floristen aus Hamburg und bestellt diesen. Wie der Strauß dann nach München kommt (geht ja nur mittels Karton), wie die Konditionen und die finanzielle Abwicklung für den Floristen gestaltet wird – darüber schweigt sich die Pressemeldung und die Internetseite (www.bloomypro.com) aus. Zumindest, solange man sich nicht anmeldet, weil man seine Daten nicht preisgeben möchte. Und wer Anfang Juni eine Suchanfrage für „Bobby Rose“ eingab, der traf auf einen Juwelier, einen Musiker oder einen Sportler – nicht aber auf eine Blumen-Online-Plattform.

In der Entwicklung sei zudem, so Eric Egberts, eine „Flower Recognition App“. Damit könnten dann die Verbraucher einen Blumenstrauß, der ihnen besonders gut gefällt, scannen. Die App soll dann angeben, welche Blumen wie verarbeitet wurden. Mit diesen Infos ließe sich dann, so das Kalkül, der Strauß von einem Floristen noch einmal nachbilden. Ist es das, worauf die Verbraucher und Floristen schon immer gewartet haben?

Können die größten Großhändler da mithalten?

Auf der Internetseite von BloomyPro wird darauf hingewiesen, dass im Online-Geschäft mit Blumensträußen in der Regel nur rund 40 Gattungen genutzt werden. Auf der Internetseite von „BloomyPro Florist“ wird aber eine Auswahl von „more than 1.000 flowers“ angegeben, aus denen der digital gestaltende Besteller auswählen kann. Doch selbst die größten Großhändler dürften da kaum mithalten können.

BloomyPro gibt an, Teil der Vanad-Gruppe zu sein, deren deutsche Niederlassung firmiert in Essen. Dort steht unter „BloomyPro“ eine sprachlich so verquaste Erklärung, dass man für das Unternehmen nur hoffen kann, dass das Online-Know-how deutlich höher ist als die rhetorischen Grundkenntnisse. Der Originaltext: „Vereinbaren Sie Blumen aus dem eigenen Bestand Sammlungen in Echtzeit verwalten und 3-D-Bouquets mit Herstellern und Einzelhändlern teilen Blumenanzeigen für Ihren Shop zu erstellen und planen Sie Ihre Verkäufe in nur wenigen Klicks.“

Diesen Artikel lesen Sie in TASPO 38/2018. Die Ausgabe können Sie in unserem Haymarket Shop online bestellen und lesen.

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