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Floristikwettbewerbe: früher und heute

Floristische Wettbewerbe sind in der Nachwuchsförderung von enormer Bedeutung und haben eine lange Tradition. Ihre Rolle hat sich aber grundlegend geändert, seit die Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand ein zentrales Anliegen geworden ist – g&v zeigt dies im Vergleich von Wettbewerben vor 20 Jahren und heute. Andrea Eggers wirft in einem Gastbeitrag, erschienen in der Sonderausgabe des Fleurop-Magazins zur Deutschen Meisterschaft der Floristen, einen Blick auf die heutige Situation und vergangene Wettbewerbe.

Sophia Gärtner aus Bayern trat 2016 bei den Deutschen Meisterschaften der Floristen in den Potsdamer Platz Arkaden an. Foto: Christian Mannsbart

Deutsche Meisterschaft der Floristen: enormes Publikumsinteresse

Wer heute anlässlich der Deutschen Meisterschaft der Floristen (DMF) das enorme Publikumsinteresse und das Presseecho betrachtet, der kann sich kaum vorstellen, dass das alles mal ganz anders war. Die „Goldene Rose“, wie der Wettbewerb über Jahrzehnte hieß, war lange als Teil des FDF-Bundeskongresses eine interne Leistungsschau, die 1966 erstmals über die Bühne ging. In einer Zeit also, in der niemand über Fachgeschäftssterben oder Nachwuchsmangel klagte.

Im Gegenteil – die Floristenbranche war im Aufbruch, über die „Goldene Rose“ vergewisserte man sich der eigenen Bedeutung als ernstzunehmender Lehrberuf. Bis 1978 wurde der Wettbewerb jährlich veranstaltet, erst dann begann ein zweijähriger Turnus. Was blieb, waren die ständigen Wechsel der Veranstaltungsorte und die zuvor durchgeführten Landesmeisterschaften („Silberne Rose“ genannt) zur Ermittlung der Teilnehmer. Es blieb auch beim Ausschluss der Öffentlichkeit, erst 1996 wurde erstmals auf dem Marktplatz Wetzlar Publikum mit einbezogen. Das war sogleich erfolgreich, schon zwei Jahre später war die Shoppingmeile Spitaler Straße in Hamburg einer der Austragungsorte der „Goldenen Rose“.

Eine Projektbezeichnung, die damals schon etwas verstaubt klang. Neben den Landes- und Bundesmeisterschaften etablierten sich in den 1980ern zahlreiche weitere Wettbewerbe, die insbesondere dem Nachwuchs ein Forum boten. 1982 wurde unter anderem von Heinrich Göllner das „Goldene Kleeblatt“ in Kassel aus der Taufe gehoben. Der Wettbewerb für das dritte Ausbildungsjahr existiert heute noch, auch in anderen Bundesländern „gibt es ähnliche Veranstaltungen“, meint Heinrich Göllner, viele Jahre beim FDF in Führungspositionen.

Viele Nachwuchswettbewerbe entstanden – und schliefen wieder ein

Floristische (Nachwuchs-)Wettbewerbe „kamen damals in Mode“, so Göllner. Unterschiedliche privatwirtschaftliche Veranstalter traten auf den Plan; etwa Erzeugergemeinschaften wie in Wesel, ebenfalls Blumengroßmärkte. „Vieles ist entstanden, vieles wieder eingeschlafen“, blickt Heinrich Göllner zurück. Außerhalb der FDF-Wettbewerbe verfügt heute eigentlich nur noch der „Kölner Frühling“, finanziert und organisiert vom Blumengroßmarkt Köln, über nationales Renommee.

Stark wahrgenommen innerhalb der Branche wird seit zwei Jahren ebenfalls die von Blume2000 organisierte Azubinale, an der sich alle Auszubildenden in der Floristik aus Deutschland beteiligen können. Insbesondere in den 1990er Jahren „wuchs die Erkenntnis, dass über die Verbandswettbewerbe auch Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden muss“, meint Kai Jentsch, FDF-Vorsitzender in Schleswig-Holstein und auch in diesem Jahr Wettkampfleiter der DMF.

Landesmeisterschaften in Kooperation mit Landes- und Bundesgartenschauen

Folgerichtig wurden speziell für die Landesmeisterschaften Kooperationen mit Landes- und Bundesgartenschauen – die schon immer über Floristiksonderschauen und auch im gärtnerischen Bereich die Wettbewerbsidee aufgenommen haben – gesucht. Die Gartenschauen ziehen viel Publikum an, ihre Pressearbeit ist professionell und sie verfügen über Veranstaltungsetats – also ideale Partner.

Solch eine Zusammenarbeit innerhalb der Branche prägt heute auch den Erfolg der DMF, immerhin 16 Sponsoren beteiligen sich in diesem Jahr. 2008, zum 100. Jubiläum von Fleurop, wurde der Bundeswettbewerb erstmals in den Potsdamer Platz Arkaden veranstaltet, seit 2012 ist es der etablierte Austragungsort.

Eine kluge Entscheidung. Die deutsche Hauptstadt und dort der Potsdamer Platz sind eine Top-Adresse: Alle bedeutenden Medien haben in Berlin Redaktionen; viel Resonanz, viel Publikum ist garantiert. Der Bundeswettbewerb konnte so zu einem Leuchtturmprojekt werden, „das nicht nur international Beachtung findet, sondern auch die Teilnehmer in den Mittelpunkt der Veranstaltung rückt“, beschreibt Kai Jentsch die Wertigkeit, die wohl auch in den Augen der Teilnehmer gestiegen ist.

Er führt das darauf zurück, dass „die Zusammenarbeit zwischen der Fleurop AG und dem FDF gut funktioniert, jeder Partner konzentriert sich auf die eigenen Aufgaben und Fleurop engagiert sich wirklich stark“. Kai Jentsch erwähnt beispielhaft den Azubi-Cup von Fleurop und das Engagement von Fleurops Jungen Wilden.

Floristische Wettbewerbe sind ein Fenster für die Welt

Darüber hinaus ist es gelungen, diesen einen zentralen Wettbewerb zu einem Branchen-Event (zeitgleich finden der FDF-Bundeskongress und die Fleurop-Jahreshauptversammlung statt) aufzuwerten. Er wird selbst in Asien wahrgenommen. „Nicht umsonst verleiht der japanische Verband einen Sonderpreis, nicht zufällig berichten in Asien die Fachmedien ausführlich über Berlin“, meint Kai Jentsch. Das gilt natürlich ebenfalls für die floristischen Wettbewerbe auf der IPM – ausgetragen vor internationalem Messe-, also Fachpublikum prägen auch sie das Bild der deutschen Floristik im Ausland.

Im Floristik-Fachgeschäft für die DMF werben

Doch reicht die DMF als Leuchtturmprojekt, um den Berufsstand in der Öffentlichkeit darzustellen? Müsste es nicht mehr Wettbewerbe geben? „Nein“, meint Kai Jentsch, „nur ein Mehr an Wettbewerben erhöht nicht die Qualität, es muss auch thematisch etwas herauskommen.“ Andere Veranstalter „verfügen oft nicht über die Möglichkeiten, solchen Veranstaltungen inhaltliches Gewicht zu verleihen“, spricht er eine Kernkompetenz des FDF an. Potenzial sieht er hingegen in der internen Durchdringung: „Schön wäre es, wenn jedes Floristikfachgeschäft im Laden und auf der eigenen Website für die DMF werben würde. Das ist leider noch nicht der Fall“.

 

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