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Interview: „Florist werden ist eben viel mehr als nur Blumen binden“

Vielen klassischen Ausbildungsberufen fehlt es an Zulauf, auch den Floristen. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Azubis in Hessen halbiert. Wir fragten bei Ulrike Linn, Geschäftsführerin des FDF-Landesverbandes Hessen, nach Gründen und möglichen Lösungen.

Ulrike Linn ist Vorsitzende des FDF-Landesverbandes Hessen und stemmt sich gegen die sinkenden Ausbildungszahlen. Foto: FDF LV Hessen

Die Zahl der Auszubildenden hat sich in den vergangenen zehn Jahren in Hessen halbiert. Wie sehen Sie die Situation?

Das Schwinden der Ausbildungszahlen ist kein spezifisch hessisches Problem oder gar ein Problem, das nur uns Floristen betreffen würde. Vielmehr besteht ein bundesweiter Azubimangel. Gastronomie, Handwerk, Baugewerbe oder auch die klassischen sozialen Berufe stehen alle vor der gleichen Fragestellung.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Gründe für den zunehmenden Nachwuchs-Mangel?

Die Gründe liegen vor allem in der demographischen Entwicklung und im seit Jahren bestehenden Trend weg von einer dualen Ausbildung, hin zu Abitur und Studium. Überdies haben viele junge Leute die grünen Berufe gar nicht „auf dem Schirm“, sondern müssen darüber informiert werden, was diese Berufe alles beinhalten und welche Möglichkeiten sie bieten. Florist werden/sein ist eben viel mehr als nur Blumen binden.

Wie arbeitet der Fachverband Deutscher Floristen dem Problem entgegen?

Unsere Ausbildungsinitiative haben wir bereits 2012 ins Leben gerufen. Es wurden zwei Flyer gestaltet: einer für Betriebe, um sie zu motivieren, auszubilden oder weiterhin auszubilden. Und einer für potentielle Azubis, sowie eine Power-Point-Präsentation mit Infos zum Beruf.
Die Infos für die Azubis werden in erster Linie für die Vorstellung des Berufs in allgemeinbildenden Schulen und bei Ausbildungsmessen genutzt. Hier sind auch Mitgliedsbetriebe und Ehrenamtliche aktiv. Alle Existenzgründungsberatungen der IHKs und Berufsberatungen der Arbeitsämter in Hessen wurden angeschrieben mit einem Info-Paket.

Um zu Beginn der Ausbildung den Azubis einen Motivationsschub zu geben und damit (hoffentlich) Ausbildungsabbrüchen entgegen zu wirken, laden wir seit 2015 alle neu eingeschulten Azubis in Hessen (und ab 2018 auch in Thüringen) zum „Blühenden Start“ ein – einer Tagesveranstaltung mit einem Informations- und Motivationsteil am Vormittag, anschließend Demo von zwei jungen Floristmeister/innen und am Nachmittag fertigen die Azubis dann unter Anleitung der beiden Referenten selbst kleine Werkstücke, die sie mitnehmen können.

Auch dank der Unterstützung durch Sponsoren können wir dies den Azubis komplett kostenfrei anbieten inklusive Getränken & Verpflegung. Last but not least finden so weit wie möglich sowohl die Abschlussprüfungen als auch unsere Azubiwettbewerbe in der Öffentlichkeit an stark von Publikum frequentieren Orten, zum Beispiel in einem Einkaufscenter statt. So können wir den Besuchern zeigen, was Floristen für tolle, vielseitige Werkstücke fertigen.

Was muss sich noch bewegen, damit sich wieder mehr junge Menschen für den Beruf begeistern?

 Ganz wichtig finde ich den Appell an die Betriebe, sich (weiterhin oder erstmalig) in der Ausbildung zu engagieren! Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel - wo sollen die Fachkräfte herkommen, wenn weniger Betriebe ausbilden?

Ja, die jungen Leute ticken heute anders und es wird nicht einfacher – aber darauf müssen sich Ausbilder in allen Berufen einstellen. Und wer qualifizierte Bewerber finden will, muss aktiv suchen und dabei auch die neuen Medien nutzen.

Man schaue sich die Ausbildungskampagnen großer Unternehmen an. Mit ihnen konkurrieren die Floristen um Azubis! Also sollten die Betriebe sich fragen: Was kann ich tun, um als Ausbildungsbetrieb attraktiv zu sein? Für alle Fragen rund um das Thema Ausbildung stehen wir als Berufsverband unseren Mitgliedern natürlich zur Verfügung. (Christian Mannsbart)

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