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Interview: „Man kann sich nie sicher sein, wie das Ganze ausgeht“

Er trat für Deutschland im Kampf um den Titel als Interflora World Cup Champion gegen die besten Floristen der Welt an: Floristmeister Stephan Triebe. Mit Kreativität und Leidenschaft überzeugte er die Jury des weltweit angesehensten Wettbewerbes der Blumenbranche und sicherte sich den vierten Platz. Mit der g&v sprach er über seine gestalterischen Ideen, die Arbeit unter Zeitdruck und die künftigen Ziele eines Neulings auf der internationalen Bühne.

Herr Triebe, Sie haben sich mehrere Monate auf den Wettbewerb vorbereitet und sich vorab gestalterische Gedanken gemacht. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Insgesamt 23 Länder sind zu der Weltmeisterschaft in Philadelphia angetreten, um dort ihr Können unter Beweis zu stellen. Vier Aufgaben mussten innerhalb von zwei Wettbewerbstagen angefertigt werden. Drei der vier Werkstücke konnten vorab in Deutschland vorbereitet und nach Amerika verschickt werden, was logistisch eine riesige Herausforderung darstellte und optimale Planung voraussetzt. Seit Oktober letzten Jahres konnte man sich auf die drei Aufgaben vorbereiten, Ideen finden und mit der Umsetzung beginnen. In einer vorgegebenen Wettbewerbszeit wurden diese drei Arbeiten dann mit Blumen gefüllt und vollendet. Dabei sollte der frische florale Werkstoff dominieren und im Vordergrund der Gestaltung stehen.

In den ersten Monaten habe ich mich intensiv mit der Ideenfindung beschäftigt und die logische Abwicklung organisiert. Intensiv auf den Wettbewerb vorbereitet, sprich Strukturen und Objekte angefertigt, habe ich von Anfang Dezember bis Anfang Februar, als alle Werkstücke per Luftfracht nach Philadelphia geschickt wurden. Stets im Austausch mit Berufskollegen und mit meiner Partnerin, ebenfalls Floristin, die mich auch in Philadelphia Tag und Nacht unterstützt und den Rücken gestärkt hat. Denn nur allein hätte man das Ganze nicht bewältigen können.

Was genau hatten Sie sich gestalterisch für den World Cup überlegt?

Bei der ersten Aufgabe ging es um Harmonie in der Architektur. Es sollte eine raumgreifende Arbeit gefertigt werden, bei der man sich von den Besonderheiten einer Architektur inspirieren ließ, dies auf seine eigene Art interpretierte und umgesetzt hat. Ich habe mich bei dieser Arbeit von der Wabenstruktur eines Bauwerkes inspirieren lassen. Dazu habe ich aus großen Steckmasseblöcken eine freie Form angefertigt, aus dieser bis ins kleinste Detail mit Schneidewerkzeugen Waben ausgeschnitten und später mit einer Mischung aus Gips und Leim mehrfach angestrichen. In dieses Objekt wurden Grabvasen eingesetzt, die ebenso mit Gips bestrichen wurden, damit sie sich ins Gesamtbild einfügen. Somit konnten die Werkstoffe optimal mit Wasser versorgt werden. Weiterführend wurde aus Zweigen ein Gitter zusammengesetzt – ebenfalls mit Gips bestrichen. Vereinzelt haben wir dann Bereiche in diesem Gitter mit Gipsbinden versehen, um die Strenge des Objekts zu brechen.

Bei der zweiten Aufgabe stand die Leuchtkraft einer Farbe in Kombination mit einem gebundenen Werkstück im Vordergrund mit Fokus auf besondere Farbkombinationen, intensive Farbtöne und einzigartige Straußformen. Ich habe mich für die Farbkombination gelb- violett entschieden, da sie für mich sehr besonders und farbintensiv wirkt. Vorab habe ich aus Draht verzweigte Äste nachgebildet, an deren Gabelung geometrische Formen aus Glas eingesetzt wurden. Das Glas ändert je nach Lichteinfall und Perspektive seine Farbe. So hatte der Betrachter aus unterschiedlichen Blickwinkeln einen anderen Farbeindruck vom Strauß. Zudem haben die Glaselemente durch die Lichtbrechung ein spannendes Lichtspiel an der Rückwand der Präsentationsfläche erzeugt. Präsentiert wurde der Strauß in einer schwarzen Schale vor schwarzen Hintergrund, um zum einen die Leuchtkraft zu steigern, zum anderen um den Betrachter das Gefühl zu vermitteln, der Strauß schwebt vor der Rückwand.

Die dritte Aufgabe stand ganz im Zeichen einer Tischdekoration. Mit ihr sollte zum Ausdruck gebracht werden, welche Kraft die Liebe hat. Der Tisch sollte für zwei Personen ausgelegt sein und vier der fünf Sinne ansprechen. Symbolisch für die Liebe, habe ich die Farbe Rot bei dieser Arbeit in den Mittelpunkt meiner Interpretation gestellt. Zunächst wurden Kupferrohre in U-Form gebogen und Stück für Stück zusammengesetzt. Verschieden große Abschnitte des Kupferrohrs wurden aneinandergesetzt, in denen zahlreiche Reagenzgläser platziert. Verbindend wurde eine runde, rote Plexiglasplatte eingesetzt, die als Tischplatte dient und zwei Personen daran Platz finden. Vereinzelt habe ich zudem Kupferstangen aufgesetzt, um dem Tisch die gewisse Großzügigkeit und Leichtigkeit nach oben zu verleihen, ganz lauschig und gemütlich auf roten Samthockern eingeschlossen von einem Blütenband. Das Werkstück steht für eine Vielfalt an unterschiedlichen Werkstoffen, mit verschiedensten Strukturen und Oberflächenbeschaffenheiten, in unterschiedlichen Rotabstufungen sowie mit duftenden und wohlriechenden Blüten. Das Resultat: ein opulenter, sinnlicher Tischschmuck für Zwei, der die Sinne anspricht und zum Verweilen einlädt - jedoch einzigartig und zeitgenössisch in seiner Formsprache.

Bei der vierten Aufgabe, einer Überraschungsarbeit, erhielt jeder der Teilnehmer am zweiten Wettbewerbstag die gleichen Materialien, woraus ein Werkstück entstehen sollte. Wir haben kurz vorher dazu eine Aufgabenstellung bekommen und hatten zwei Stunden Zeit, uns auf diese Arbeit vorzubereiten. Anschließend wurden am Abend die zehn besten aus den 23 Teilnehmern bekanntgegeben, die am nächsten Tag eine weitere Überraschungsarbeit anfertigen durften. Auch wenn die Spannung bis zum Schluss riesig war, ob ich es bis ins Halbfinale geschafft habe, wurde ich als 10. auf die Bühne gerufen. Nach Anfertigung der zweiten Überraschungsarbeit in der Top 10, ermittelte die Jury die fünf Besten - und auch hier fiel wieder mein Name und ich durfte vor Publikum auf einer großen Bühne innerhalb von 45 Minuten bei einer letzten Überraschungsarbeit mein Können unter Beweis stellen.

Sie haben es im World Cup auf Platz 4 geschafft. Wie beurteilen Sie Ihre Platzierung insgesamt?

Ich denke, ich konnte mit meinen Kreationen überzeugen und bin als „Neuling“ auf der internationalen Bühne in Erscheinung getreten. Ich hoffe, dass sich im Nachklang der Weltmeisterschaft für mich neue Möglichkeiten ergeben und der ein oder andere auf mich aufmerksam geworden ist. Am Ende reichte es für mich für Platz 4, ganz knapp nur 1,7 Punkte hinter Platz 3. Aber welch ein großartiger Erfolg. Ich darf mich zu den besten fünf Floristen weltweit zählen!

Über die gesamten Tage hatte ich ein ganz gutes Gefühl und war mit meiner Leistung zufrieden, wobei man sich nie sicher sein kann, wie das Ganze ausgeht. Momente voller Anspannung, Aufregung, Emotionen und Freude liegen nun hinter uns und ich bin gespannt, was sich nun daraus entwickeln wird.

Wie gehen Sie mit dem Druck vor und während des Wettbewerbes um?

Ich bin eher eine Person, die recht ruhig und konzentriert in solchen Situationen ist. Es ist wichtig, beim Wettbewerb eine Person an seiner Seite zu haben, die einen ohne große Worte versteht und die Vorbereitungen Hand in Hand gehen. Das gibt mir ein beruhigendes Gefühl. Ich brauche immer kurz vor Beginn einen Moment für mich, um mich zu sammeln und um im Kopf noch einmal alles durchgehen. Tief durchatmen und los geht’s.

Wenn Sie abschließend an den World Cup zurückdenken: was nehmen Sie für sich persönlich mit aus dem Wettbewerb?

Er ist ein Meilenstein, der für mich unvergessen bleibt und sicher das einschneidendste Ereignis meiner bisherigen beruflichen Laufbahn. Ich denke, man nimmt aus dem Wettbewerb viele neue Eindrücke, Erfahrungen und Kontakte mit, von denen man noch sehr lang zehren wird. Man ist über sich herausgewachsen und ist stolz, diesen doch sehr komplexen Wettbewerb gemeistert sowie starke Nerven bewiesen, konzentriert und fokussiert die Aufgaben erfüllt zu haben, um so abzuschließen.

Stichwort Zukunft: welche konkreten Pläne und Ziele haben Sie nach der erfolgreichen World Cup-Teilnahme?

Konkrete Pläne gibt es tatsächlich noch nicht. Ich bin gespannt auf all das, was sich nach der Teilnahme ergibt und freue mich auf neue Angebote und Herausforderungen. Dann gibt es noch den Traum vom eigenen Geschäft. (Yasmin-Coralie Berg)

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