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Liegt es an den Ausbildern, weshalb Lehren abgebrochen werden?

Der Floristik-Branche mangelt es an motivierten Auszubildenden. Ein Thema, das die Gemüter von Verbänden, Beschäftigten und Unternehmern regelmäßig erhitzt und unterschiedliche Meinungen zu den Gründen zutage fördert, wie auch die aktuellste Diskussion auf unserem g&v-Facebookprofil zeigt.

Nicht immer ist der Grund für Ausbildungsabbrüche im mangelnden Gehalt oder in der fehlenden Motivation der angehenden Floristen zu suchen. Foto: auremar / Fotolia

Lehrlinge schmeißen hin: „Ausbildung für Ausbilder“

Erst vor wenigen Wochen meldete der Fachverband Deutscher Floristen, dass alleine in Berlin mehr als 50 Prozent aller angehenden Floristen ihre Ausbildung abbrechen. Liegt die Schuld alleine an der Jugend von heute, der man oft Motivationsprobleme nachsagt? Erko Feigl, selbst für den Fachverband als Berater und Coach, sowie für die Plattform myFlorist im Einsatz, analysiert die Situation in einer Diskussion auf Facebook wie folgt:

„Oft denke ich ist es eine Verknüpfung von verschiedenen Umständen. Vom: bevor du gar nichts lernst machst du Florist/Friseur. Sprich, die Qualität der Lehrlinge ist zum einen nicht besonders hoch (bitte nicht ketzerisch verstehen), zum anderen passt das geforderte Arbeitspensum nicht zur Vergütung. Viele Lehrbetriebe bräuchten meiner Erfahrung auch dringend ein paar Weiterbildungen im ‚how to make it‘ “, so der gelernte Florist.

„Dies in Kombination verbittert viele junge Menschen. Fehlt der BISS oder das Sitzfleisch? Oder sind unsere Zukunftsaussichten nicht rosig/erstrebenswert!? Ich selbst habe einen Sohn, der gerade zum zweiten Mal eine Lehre abbricht obwohl es genau SEIN DING wäre. Hier hat zum Beispiel der Lehrbetrieb nicht gepasst, die Lehrlingsvergütung war sehr gut. Eine Ausbildung für Ausbilder wäre angebracht“, schließt Feigl an.

Betriebe bei der Ausbildung überfordert: „Ein Azubi ist ein günstiger Handlanger“

Die Facebook-Nutzerin Diana Johanna ist leitende Angestellte in einer der beiden Filialen von Blumen Heller in Ansbach. Im Geschäft arbeiten aktuell vier Azubis mit, im September kommt nochmal eine Auszubildende dazu. Auch sie sieht die Betriebe in der Pflicht, die richtigen Bedingungen für eine erfolgreiche Ausbildung zu schaffen.

„Dass die Ausbildung abgebrochen wird, ist bei uns noch nicht vorgekommen - wir haben allerdings schon Azubis von anderen Betrieben übernommen. Meistens aus dem einfachen Grund - die Betriebe sind überfordert. Ein Azubi ist ein günstiger Handlanger, um es milde auszudrücken. Sie lernen nur die nicht so schöne Seite unseres Berufes kennen. Es ist erschreckend, wie wenig solchen Azubis beigebracht wird. Noch erschreckender ist, was dann Gesellen nach der Abschlussprüfung können - nämlich nichts! Ich bereue meine Ausbildung nicht - ich liebe meinen Job, es ist meine Berufung und für nichts auf der Welt würde ich was anderes machen wollen“, sagt die leitende Angestellte.  

Änderung der Anforderungen für Ausbilder: Engagement, Empathie und Anpassungsfähigkeit

Wie sich die Anforderungen für Ausbildungsbetriebe verändert haben und weshalb er alleinerziehende Mütter als Fachkräfte immer wieder einstellen würde, beschreibt Michael Eichstädt. Der Floristmeister betreibt seit 2007 in Auweiler den Laden Blumeninsel. Er beschäftigt zwei Floristinnen und eine Auszubildende, im August stockt der Unternehmer das Team um einen weiteren Azubi auf.

„Wir bilden seit zehn Jahren aus. Erfolgreich. Aber heute ist einfach mehr Engagement, Empathie und Anpassungsfähigkeit des Chefs nötig. Dieses Jahr startet auch wieder ein Azubi bei uns. Wir freuen uns. Ich würde jederzeit alleinerziehende Mütter einstellen, aktuell beschäftige ich eine. Sie sind besser organisiert, ordentlicher und mehr geradeaus als junge ‚Singlefloristinnen‘. Die wissen schon, dass es unabänderliche Dinge im Leben gibt, dass Freizeit nicht immer zuerst kommt und sind sehr zufriedene Arbeitnehmerinnen, wenn man bei der Arbeitsplanung auch als Chef flexibel ist – zum Beispiel Überstunden ansparen für kitafreie Zeiten, eventuell mal Kind mitbringen und so weiter. Dieses Jahr gibt es von mir eine Woche Kinderbespaßung bei einer Erlebnispädagogikfirma als Zusatzanreiz, damit Mama auch eine Woche mit ihrem Liebsten hat.“

13 Floristen in 16 Jahren erfolgreich ausgebildet

Auch Tamara Wakoning von der Blumenoase in Mühldorf und Dorfen hat in 24 Jahren als Floristin viele Azubis erlebt. Von zu wenigen Bewerbern kann sie nicht berichten. „Wir haben in den letzten 16 Jahren 13 Floristen erfolgreich ausgebildet. Einmal mussten wir einen Vertrag aufheben – nicht wegen des Kindes, sondern wegen des Vaters. Zweimal beendeten wir die Ausbildung vorzeitig, weil Drogen im Spiel waren und da hab‘ ich null Toleranz. Es liegt nicht an den Kindern, sondern an den Ausbildern, beziehungsweise Betrieben. Ich kann mich nicht beklagen, ich habe einen Überschuss an Bewerbern“, sagt die Unternehmerin.

„Es sind nicht immer die Jugendlichen, deren Motivation verloren geht“

John Langley, Lehrer und seit 30 Jahren Fernsehgärtner beim NDR, kommentiert häufige Ausbildungsabbrüche wie folgt: „Es tut mir fast leid, es sind nicht immer die Jugendlichen deren Motivation während der Ausbildungszeit verloren geht. Viele Ausbilder und Ausbilderinnen sind in jeglicher Hinsicht mit dieser sehr komplexen Aufgabenstellung Auszubildenden schlichtweg überfordert.“

Gleichzeitig blickt der Fernsehexperte voraus, denn Lösungsansätze sind gefragt: „Doch wie könnten wir gemeinsam im bunten, kreativen (hier meine ich natürlich auch den kaufmännischen Geist) Netzwerk unsere Kompetenz und vorhandenen Ressourcen zu einem „IMPULS“ für die Ausbildungsbereitschaft in diesem Beruf bündeln? Sollte der kaufmännische Part verstärkt werden? Sind Eventfloristik Zukunftsperspektiven? Oder reicht es wirklich „nur“ kreativ zu sein?“

Hier gilt es für die Branche anzusetzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Weitere Artikel rund um das Thema Ausbildung finden Sie in der kommenden Ausgabe der g&v.

Mehr zur Diskussion um Ausbildungsabbrüche und fehlende Fachkräfte in der Floristik finden Sie auf www.facebook.com/gestaltenundverkaufen. (Christian Mannsbart)

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