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Mehmet Yilmaz: „Trotz aller Preise auf dem Teppich geblieben“

Exotische Werkstoffe und eine unglaubliche Vielfalt an weißen Blüten, floristisch außergewöhnlich gut umgesetzt: So präsentiert sich die aktuelle Hallenschau „In stillen Nächten“ auf der BUGA. Verantwortlich dafür ist Mehmet Yilmaz, der die ehemalige Industriehalle mit seinem Team in nur eineinhalb Tagen in eine schummrige Welt voller beeindruckender Gebilde verwandelt hat. Im Interview spricht Yilmaz über den enormen Aufwand, der dahinter steckt, Herzblut und Bescheidenheit.

Wie kam es, dass Sie überhaupt Florist geworden sind?

Ich bin mit zwölf nach Deutschland gekommen. Es fing mit einem kleinen Nebenjob an, ich wollte mir nur etwas Geld dazu verdienen bei Lersch und so bin ich in die Szene gerutscht. Mein Vater wollte, dass ich Automechaniker werde. Es war schon ein Kampf, als Orientale einen als weiblich gesehenen Beruf zu machen. Manchmal denke ich, er hatte recht (lacht).

Nach meiner Ausbildung war ich in vielen anderen Betrieben, auch im Ausland, bis ich 2010 nach Bad Neuenahr zurückgekommen bin und ein Jahr später den Betrieb übernahm.

Sie haben schon an Weltmeisterschaften und zahlreichen anderen Wettbewerben teilgenommen, aber Heilbronn ist ihre erste Bundesgartenschau. Wie kam‘s?

Gabriele Haufe, fachliche Leiterin der Floristfachschule Hohenheim, die alle Hallenschau-Konzepte für diese BUGA entwickelt hat, hat mich angesprochen. Obwohl ich mich lange gewehrt habe, hat sie mir die Sache doch schmackhaft gemacht. Ich dachte, bei einer Gartenschau geht es vor allem um Gärten, aber als sie mir dann erklärte, dass eben auch Floristen gesucht werden, habe ich zugesagt.

Und warum dann ausgerechnet die Nachtschau?

Typisch Florist (lacht). Ich war wie immer spät dran vor lauter Events weltweit und es waren nur noch zwei übrig, da hab ich halt die Nachtschau genommen. Floristen denken eher von Woche zu Woche, du weißt nie, was dich erwartet. Weil es so heiß war, hab ich vor allem Exoten verwendet. Wenn ich gewusst hätte, dass es wieder so kühl wird, hätte ich mehr heimische Pflanzen genommen.

Sind Weiß, Grün und Blau Ihre Lieblingsfarben oder wie sind Sie auf diese Farbgestaltung gekommen?

Nächte sind dunkel und mit weißen Blumen kann man die Effekte wie Sterne oder das Universum am besten schaffen.

Die Jury hat den enormen Aufwand bewundert, der in Ihrer Gestaltung liegt. Wie viel Zeit steckt tatsächlich drin?

Wir haben schon vor vier bis sechs Monaten mit den Gestellen angefangen. Das geht ja nicht in eineinhalb Tagen mal eben. Allein an dem umgekehrten Baum haben zwanzig Leute vier Wochen lang gearbeitet. Innen ist gewachstes Papier und darum dann ein Drahtgeflecht, um den Wurzeleffekt zu bekommen. Die Idee dazu hatte ich bei der WM. Ich komme selbst aus vier verschiedenen Kulturen und das soll meine unterschiedlichen Wurzeln symbolisieren. Die Weltkugel mit den Stäben drückt aus, was in mir ist, was ich auch nicht mehr verstecken will.

Die Botschaft ist, dass wir alle Brüder sind und alle nur mit Wasser kochen. Mein Lehrherr Gregor Lersch hat mir Bescheidenheit beigebracht, er hat mich sehr geprägt. Deswegen bin ich auch trotz aller Preise immer auf dem Teppich geblieben, war immer der erste und der letzte in der Halle. Das müssen wir in der Branche mehr durchsetzen. Nicht nur die Mitarbeiter müssen ran, sondern du musst selber auch mit Herzblut dabei sein, sonst entsteht sowas nicht.

Zwei Große Goldmedaillen für die Gestaltung der Gesamtschau und Ihre floristische Arbeit sowie der Ehrenpreis des Fachverbands Deutscher Floristen (FDF) für Sie und ihr Team – was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Natürlich bin ich stolz, mit meinem Team so etwas erreicht zu haben. Das ist ja kein Team, das jeden Tag zusammen ist, aber die Stimmung, die Leute, die Energie und die Mentalität haben gepasst. Jeder hat sich eingebracht und war sich für nichts zu schade. (dbg)