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Nachgefragt: Ecuador und der Welthandel bei Blumen

Die politische Situation im Welthandel bringt auch einige Turbulenzen für den Großhandel bei Schnittblumen mit sich. Wir fragten den Verband des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels (BGI) nach den Auswirkungen.

Politische Unruhen wirken sich auch auf den weltweiten Handel mit Schnittblumen wie etwa Rosen aus. Foto: Pixabay

In Ecuador gab es Ausschreitungen wegen der inzwischen wieder zurückgenommenen Erhöhung der Spritpreise. Wie hat sich dies auf den hiesigen Blumenimport aus Ecuador ausgewirkt?

Die Unruhen in Ecuador haben sich zum Teil gravierend auf die Lieferfähigkeit der Blumenfarmen ausgewirkt. Betroffen waren vor allem Farmen in der Cotopaxi-Region südlich der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, auf denen fast zwei Wochen nicht gearbeitet werden konnte. Aber auch im Norden waren Farmen betroffen. Ein deutscher Großhändler vor Ort berichtet, dass in den vergangenen Wochen nur ein Drittel, von der Menge ausgeflogen werden konnte, die normalerweise gekauft wird. Viele Farmen konnten nur sporadisch liefern. Da bei einigen Farmen eine Woche keine Produktion stattfinden konnte, wird es etwas dauern, bis die Mengen wieder das normale Niveau erreichen.

In der Weltwirtschaft spielt China eine immer größere Rolle. Der Blumenexporteur Kenia etwa will stärker nach China und Asien exportieren. Wie verschieben sich dadurch die Handelsströme und die Verfügbarkeit sowie die Preise für Blumen- und Pflanzenimporte?

Alle großen Blumenexporteure versuchen, verstärkt nach China, Japan aber auch nach Russland zu liefern. Sie diversifizieren dazu ihr Handelsnetz und bauen ihre Anbauflächen aus. Daher ist eine Verknappung der Importe nach Europa nicht zu erwarten Es entstehen neue Logistikhubs für die Verteilung der Ware, da der begrenzende Faktor in den Handelsströmen häufig die Frachtkapazitäten sind. Direktlieferungen aus den Produktionsländern in die Importländer nehmen zu. Dies kann langfristig zu einer Verschiebung der Bedeutung der europäischen Drehkreuze führen. Ein Beispiel dafür ist Polen, das sich mehr und mehr zu einem wichtigen Logistikzentrum für den osteuropäischen Markt entwickelt.

Welche weiteren besonderen Entwicklungen sind beim Blumen- und Pflanzenimport aktuell zu beobachten?

Im Rahmen seines Verbandstages und des Schnittblumentages für seine Mitglieder hat der BGI das Thema Import als eines der Hauptthemen behandelt. Der BGI hat seine Zusammenarbeit mit dem vom Entwicklungsministerium geförderten Import Promotion Desk (IPD) intensiviert. Zielsetzung ist dabei, deutsche Unternehmen zu unterstützen, ihren Warenbezug von Klein- und Mittelständischen Unternehmen in den Erzeugerländern auszuweiten, um ein noch differenzierteres Sortiment aufzubauen. (hlw)