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Nachhaltigkeit: ein Wertewandel

Der Begriff Nachhaltigkeit wabert schon seit Jahren durch die gesellschaftlichen Diskussionen. Feststellen lässt sich ein grundlegender Wertewandel, der in seinen Ausprägungen auch den Handel mit Pflanzen und Blumen berührt. Von Martin Hein

Der Begriff Nachhaltigkeit spielt auch in der Floristik eine immer größer werdende Rolle. Foto: kamasigns / Fotolia

Wie können die Floristen an dieser Entwicklung teilhaben?

Die Antwort lautet: Indem die positiven Nachhaltigkeitsaspekte viel intensiver als bisher kommuniziert und Produkte, die dem nicht entsprechen, gemieden werden. Einige Aspekte: Warum werben nicht viel mehr Blumenfachgeschäfte damit, dass ihre Produkte aus regionalen Gartenbaubetrieben stammen? Also wenig Umweltbelastung durch kurze Transportwege, Nützlingseinsatz und keine chemische Keule, Produktion nach deutschen Sozialstandards. Das sind Argumente, die für viele Verbraucher wichtig sind. Aber der Blumeneinzelhandel muss das natürlich auch kommunizieren, denn nur so entsteht Bewusstsein. Zudem gibt es schon länger diverse Regionalmarken, die diese Aspekte bündeln und sogar, etwa bei der Regio-Marke „Ich bin von HIER!“, Werbe- und Auszeichnungsmaterialien bieten. Jede Pflanze, die im Balkonkasten oder Garten Freude bereitet, bindet CO2. Diese Tatsache sollte man in Kundengesprächen immer mal wieder erwähnen, denn das bestätigt die Kaufentscheidung. Verbinden lässt sich dies gut mit dem Hinweis auf insektenfreundliche Pflanzen, es gibt ja zahlreiche Brancheninitiativen in diesem Bereich.

Folienverzicht offensiv kommunizieren

Umgekehrt wird auch ein Schuh daraus. Wer etwa aus Umweltschutzgründen keine Folien mehr anbietet, der sollte das auch bei geeigneter Gelegenheit erwähnen. Das gilt ebenfalls für Verwendung von Transporttrays. Wer das deutsche Mehrwegsystem Palettinos oder die niederländischen Floratinos nutzt, der kann das gegenüber den Kunden offensiv kommunizieren. Und zugleich bei den Lieferanten darauf drängen, dass nur Mehrwegtrays genutzt werden. Schon diese wenigen Beispiele zeigen – bezüglich der Nachhaltigkeit muss sich der Blumeneinzelhandel nicht verstecken. Im Gegenteil und nochmals: Es sollte offensiv kommuniziert werden. Dazu gehört, dass man sich informiert. Wer etwa Kundengespräche über die Verwendung von Torf in Substraten führt, der sollte schon wissen, wovon er spricht.

Vom Wunsch zur Bedingung

Es bedarf keiner prophetischen Gaben um zu sagen: Nachhaltige Produktion wird in den kommenden Jahren von einem Wunsch vieler Verbraucher zu einer Bedingung. Wer sich heute darauf einstellt, wird morgen Vorteile haben. Beachten sollte man stets dabei, dass der aufgeklärte Verbraucher von heute kritisch ist, er hinterfragt. So wird auch der eigentlich positive Handel mit „Fair trade“ Blumen zur Farce, wenn deutsche Discounter mit dem Flugzeug transportierte afrikanische Rosen im Zehner-Bund für symbolische 3,99 Euro anbieten. Denn was kann daran noch fair oder gar nachhaltig sein, wenn die besten Anbauflächen in Kenia oder Äthiopien nicht mehr für Nahrungsmittelanbau, sondern von ausländischen Produzenten für Exportrosen genutzt werden?

Mehr zum Thema des Monats Nachhaltigkeit lesen Sie in der g&v Ausgabe 10/2019.