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Blumen Schwarz: „Bitte mehr Mut in der Preisgestaltung“

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Die Welt befindet sich im Krisenmodus, stetig steigende Preise, vor allem bei Energie, treiben den Betrieben die Sorgenfalten ins Gesicht. Bei Blumen Schwarz hat man sich Gedanken gemacht, wie man durch die Anpassung von Prozessen Energie und Strom einsparen und über den Winter kommen kann. Wir sprachen mit Betriebsinhaber Heino Schwarz.

Die Familie Schwarz von Blumen Schwarz hat einige, teils einfache Stellschrauben gedreht, um über den Winter zu kommen. Foto: Blumen Schwarz

Sie haben angekündigt, dass es in Ihrem Betrieb Veränderungen geben wird, um über den Winter zu kommen. Wie genau sehen diese Veränderungen aus?

Wir unterscheiden in Maßnahmen, die die Kunden direkt mitbekommen und „stille Aktionen“, von denen die Kunden im besten Fall nichts mitbekommen. Ab Ende Oktober vertauschen wir bei und Zimmerpflanzengewächshaus und den Schnittblumenbereich. Der Schnittblumenbereich steht in einem gut isoliertem Flachdachbau, das Zimmerpflanzengewächshaus ist nur mit ESG (und Energieschirm) ausgestattet. Die Schnittblumen halten Temperaturen um die 4 Grad locker aus. Hingegen werden die Zimmerpflanzen, die es wärmer benötigen, in den besser isolierten jetzigen Schnittblumenbereich umziehen. Der Schnittblumenbereich hat natürlich baulich deutlich weniger natürliches Licht, daher werden wir das Sortiment reduzieren. Im Winter werden wir wieder auf „alte“ Zimmerpflanzen, die es etwas kälter vertragen, eine Priorität legen. Das große Zimmerpflanzengewächshaus in Schwabach wird von außen mit Noppenfolie eingepackt. Das macht den Blick im Inneren nicht so schön, aber es ist effektiv. Wir stellen außerdem die letzten Schweinwerfer auf LED um und reduzieren gleichzeitig die Helligkeit. In einigen Bereichen wird das Licht über Bewegungsmelder geregelt. Auch werden wir die adventliche Lichterdekoration drastisch einschränken.

Zu den „stillen Aktionen“ gehört die Ausrüstung der noch die fehlenden vier Gewächshäuser mit aktuellen Klimacomputern. Dann können wir überall Temperaturstrategien wie „Cool Morning“ oder das „Weihenstephaner Modell“, bei dem um 24 Uhr die Heizung in den Gewä#chshäusern fast abgestellt wird, einstellen. Interessanterweise vertragen das die meisten Pflanzen sehr gut und werden dadurch stabiler. Unsere Sommerpflanzen für den Maiverkauf werden deutlich später angezogen. Normalerweise haben wir mit dem Topfen Ende Januar begonnen. Das hilft uns im März, wenn es mit Friedhof, Gärten und Verkauf losgeht, mit dem Topfen fertig zu sein. Für die nächste Saison starten wir mit dem Topfen erst Ende Februar und arbeiten dann im kleinen Schichtbetrieb. Am Schwabacher Stammbetrieb haben wir noch einen Erdöltank. Der lagert seit Jahren als Notfall für einen Gasausfall und ist fast voll. Jetzt sind wir wirklich froh darüber und hoffen, damit über den Winter zu kommen. Die Rutzendorfer Gärtnerei ist von der Energieversorgung sicher. Hier haben wir BioLPG und heizen damit schon seit langem deutlich teurer, aber dafür CO2 neutral. Dieses Produkt kam nie aus Russland und daher ist die Lieferung gewährleistet. Auch unser Überwinterungsbetrieb wird im Oktober von Erdgas auf BioLPG umgestellt. Das sind relativ einfache Arbeiten und wir können damit auch hier entspannt in den Winter gehen. Wir planen sowohl im Wärme-, als auch im Strombereich eine 50-prozentige Reduzierung.

Wie wirtschaftlich ist die Produktion bei Ihnen noch?

In einem gemischten Endverkaufsbetrieb ist das fast unmöglich, exakt zu sagen. Fakt ist aber, dass alle meine Kollegen mit ähnlichen Betrieben, die in den letzten Jahren die Produktion eingestellt haben und oder auf Halbfertigware oder Zukauf von Fertigware gesetzt haben, heute nicht mehr existieren oder deutlich kleiner geworden sind. Fakt ist, dass wir mit der Eigenproduktion viele Vorteile haben. Wir sind erstmalig ohne chemischen Pflanzenschutz über das Jahr gekommen, unsere Auswahl ist größer und das Sortiment stabil. Wir können unser Substrat individuell für unseren Betrieb mischen lassen und haben ein großes KnowHow über die jeweiligen Pflanzen. Dazu kommt noch ein wichtiger Punkt mit unseren Angestellten, die die Eigenproduktion schätzen und die nie Spaß daran hätten in einem Gartencenter zu arbeiten.

Wird es Preisanpassungen geben? Wenn ja, wie werden diese ausfallen und in welchem Umfang werden die Kostensteigerungen an die Kunden weitergegeben?

Die Krise war absehbar und im Kommen. Dieses Jahr im Mai haben wir alle Preise zwischen 15 und 20 Prozent erhöht, was uns wirklich nicht leichtgefallen ist. Diese Planung hatten wir, weil wir schon letztes Jahr gesehen haben, dass unser Hauptkostenpunkt (die Löhne) deutlich steigen muss. Im Mai haben wir die Löhne unserer Angestellten planmäßig um 10 Prozent erhöht. Gleichzeitig hat (bei uns) die diesjährige Saison gezeigt, dass wir keinen Coronamitnahmeeffekt hatten und wir wieder bei den Stückzahlen von 2019 gelandet sind. Wir hoffen, 2023 ohne weitere Preiserhöhung zurecht zu kommen.

Was können Unternehmen Ihrer Meinung generell tun, um durch die Krise zu kommen? Was empfehlen Sie den Kolleginnen und Kollegen aus der Branche?

Die gefährlichste Einstellung empfinde ich, wenn man den Kopf in den Sand steckt und auf Abwarten und politische Lösungen hofft. Wir haben selbst durch die Situation einen sehr starken Druck verspürt. Der Durchbruch war für uns, als klar wurde, dass wir BioLPG im Überwinterungsbetrieb bekommen und damit unsere Energieversorgung halbwegs steht.

Unsere Branche hat seit Jahrzehnten den Energiebedarf gesteigert. Es macht Sinn, darüber nachzudenken, ob wir wirklich jede Pflanze zu jeder Jahreszeit benötigen. Muss es wirklich an Valentinstag die rote Rose sein? Können wir nicht zu normalen Preise mit Frühlingsblumen ebenso die Menschen verzaubern?

Ich bitte um mehr Mut in der Preisgestaltung. Der alte Spruch, dass der größte Feind des Gärtners der Gärtner ist, stimmt leider immer noch. Ich weiß nicht warum im Jahr 2022 Begonia semperflorens an den Endkunden immer noch als einzelne Pflanze unter einem Euro verkauft werden muss, oder warum viele große Gärtnereien als einziges Marketinginstrument ihren Preis sehen. Nirgendwo in Europa sind Pflanzen so günstig wie in Deutschland. Muss das wirklich sein? Können wir nicht einfach mal Stolz sein, wenn wir an einem Produkt 10 Cent mehr verdienen, statt zu überlegen, wie wir es noch billiger hinbekommen?

Ihre Aussagen zur Energiekrise haben ein breites Medienecho hervorgerufen und Sie sagen, dass Sie auch schon negative Rückmeldungen von Kunden bekommen haben, da Sie sich politisch positionieren und Ihre Meinung zum Krieg und gegen Putin öffentlich vertreten. Würden Sie rückblickend weniger offensiv Stellung nehmen, oder weiterhin offen Ihren Standpunkt vertreten?

Wenn wir Putins Aussagen ernst nehmen (im Nachhinein wissen wir, dass wir das viel früher hätten machen müssen), dann wissen wir, dass nach einem Fall der Ukraine als nächster Schritt die Landverbindung von Belarus zur russischen Enklave Kalinigrad geplant ist. Hier liegt Litauen und Polen auf unter 100km Länge dazwischen. In diesem Streifen lebt auf litauischer Seite unsere Familie.
Daher haben wir - außer unserer politischen Meinung - ein persönliches Interesse daran, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt. Nach wie vor wünschen wir uns, dass unsere Kinder und Enkel in einem freien Land aufwachsen und wir sie weiterhin sehen dürfen. Wir empfinden das Zögern von Deutschland und die Forderungen von Betrieben nach einer Einigung mit Putin unerträglich.

Wir stehen dazu, wir stehen zu einer Unterstützung der Ukraine und wir werden das weiterhin sagen. Und wir werden damit nicht aufhören, auch wenn wir personell umstrukturieren müssen und oder Geschäftsbereiche verkleinern oder verändern müssen. Deutschland geht es im weltweiten Vergleich so spitzenmässig gut, dass ein paar Jahre kleinere Brötchen backen, ein Zwang zu Innovationen und ein Überdenken von alten Produktionsritualen zwar schmerzt, aber für die Freiheit von Europa durchaus akzeptabel ist.

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