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Dautz‘ Sicht: Erst denken, dann starten!

Kennen Sie das? Der Chef hat eine Idee! Er will unbedingt ein „kreisrundes, rosafarbenes Brutzeltabs mit grünen Punkten“ von seinen Mitarbeitern entwickelt haben. Freudig ruft er seine besten Mitarbeiter zu sich ins Büro und beauftragt sie, das Projekt möglichst schnell und kostengünstig umzusetzen. Das muss an Vorgaben genügen. Fragen gibt es keine, da alle wissen, dass der Chef immer sehr in Eile ist und niemand eine „blöde“ Frage stellen möchte.

Karl-Heinz Dautz ist Zielcoach und Unternehmensberater. Foto: privat

Nach arbeitsreichen Tagen entsteht gemeinschaftliches Konzept

Alle Mitarbeiter beginnen sofort mit dem Projekt. Tagelang wird diskutiert und recherchiert. Beschaffung, Marketing, Rechtliches – alles wird mit Priorität geprüft und zusammengetragen. Niemand will irgendetwas dem Zufall überlassen und den anspruchsvollen Chef enttäuschen. Nach einigen arbeitsreichen Tagen ist ein gemeinschaftliches Konzept entstanden, alle freuen sich darauf, es dem Chef vorzustellen. Die Versuche, mit dem Chef einen gemeinsamen Termin zu vereinbaren, scheitern, weil er zu beschäftigt ist. Der Sprecher der Arbeitsgruppe erwischt den Chef auf dem Parkplatz und spricht ihn auf die gemeinsame Abstimmung an. Der Chef, sehr in Eile, fragt skeptisch, ob denn wirklich an alles gedacht sei und ob das „kreisrunde, pinkfarbene Brutzeltabs mit den hell-grünen Punkten“ auch wirklich gut durchdacht sei. Erst dann würde er sich Zeit nehmen können.

Der Sprecher erschrickt innerlich, versichert aber alles nochmals zu prüfen und dann erneut einen Termin zu vereinbaren. Anschließend ruft er sofort aufgeregt sein Team zusammen, informiert es über die neuen Informationen. Tagelang wird diskutiert, wo der Unterschied zwischen Pink und Rosa sei und welche Auswirkungen es haben könnte, dass die Punkte nun hellgrün sein sollen. Nachdem nun nach einigen Wochen alles angepasst und erneut geprüft wurde, kommt es zu dem Termin mit dem Chef. Nachdem dieser zunächst einmal alle darauf hinweist, dass alles viel zu lange gedauert hat, wird ihm ängstlich das Konzept für das „kreisrunde, pinkfarbene Brutzeltabs mit hellgrünen Punkten“ mit allen Analysen und Szenario-Rechnungen vorgestellt.

Projekt beginnt aufgrund veränderter Rahmenbedingungen von vorne

Der Chef hört sich alles so geduldig, wie es ihm nur möglich ist, an, weil das alles viel zu detailliert ist, ihn nur das Ergebnis interessiert und er sowieso einen wichtigeren Folgetermin hat. Er merkt an, dass es besser sein könnte, das Brutzeltabs nicht ganz genau kreisrund zu machen, weil einige Kanten es doch interessanter machen würden. Außerdem entspricht das Hellgrün der Punkte doch nicht mehr so dem aktuellen Zeitgeist. Und Tabs würde sich auch eher ein wenig plump anhören. Enttäuscht zweifelt er die Kompetenz seiner „besten“ Mitarbeiter an, fordert sie umgehend zu Nachbesserungen auf. Sie machen sich an die Arbeit und beginnen das Projekt aufgrund der grundlegend veränderten Rahmenbedingungen von vorne. Alle Geschäftspartner werden erneut kontaktiert.

Nach einiger Zeit ist nun das „kantige, pinkfarbene Brutzel mit den farblosen Punkten“ fertig geplant, und ein Muster wurde beschafft. Das Team ist angespannt, weil der Chef erneut zur Eile aufruft und Dauer und Kosten des Projektes anmahnt. Er schaut sich das Muster vor der Präsentation an und erklärt, dass das schon ganz o. k. sei, allerdings hätte er jetzt ein eigenes Muster von einem „blauen Würfel“ erstellen lassen. Das sei besser, und er hätte das so jetzt auch schon in großer Menge bestellt. Die Präsentation wird abgesagt. Das Team wartet bewundernd auf die nächste Idee! Auf dem Weg zu seinem Büro schimpft er: „Wenn man nicht alles selber macht, läuft hier nichts!“ (Karl-Heinz Dautz, NeedForChange Unternehmerberatung)

Ihre Meinung ist gefragt!

Kennen Sie so etwas, oder sind bei Ihnen alle Teamplayer? Wie laufen bei Ihnen Ideenfindung und -umsetzung? Wir freuen uns über Ihre Meinung – per E-Mail an g&v Chefredakteurin Andrea Eggers oder auf der g&v Facebook-Seite.

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