Alle News

Dautz‘ Sicht: Regelkonformität als Schwäche?

Gerade in Covid-19-Zeiten brechen viele Menschen Regeln. Sie halten sich nicht an behördliche Auflagen zum Schutz der Gesamtbevölkerung. Den anderen wird Systemkonformität vorgeworfen. Manchmal aber müssen Regeln gebrochen werden, meint Zielcoach und Unternehmerberater Karl-Heinz Dautz – sofern das Ergebnis des Regelbruchs der Allgemeinheit mehrheitlich anerkannt von Nutzen ist.

Karl-Heinz Dautz arbeitet als Unternehmerberater und Zielcoach. Foto: privat

Was haben Greta Thunberg und Julian Assange gemeinsam?

Greta Thunberg war in aller Munde. Fridays for Future – schwänzen, obwohl wir eine gesetzliche Schulpflicht haben, um etwas gegen den Klimawandel zu tun. Julian Assange ist aus der ecuadorianischen Botschaft in Haft gekommen, weil er geheime militärische Dokumente über sein Portal WikiLeaks veröffentlicht hatte, um damit die Öffentlichkeit zu informieren. Was haben die beiden gemeinsam? Sie brechen Regeln und handeln ungesetzlich. Helmut Schmidt brach gesetzeswidrig Regeln und Gesetze, als er während der Flut 1962 militärische Hilfe im Friedensfall anforderte, und rettete viele Menschen vor dem Tod.

Intakter Werte-Kompass wichtig für „Regelbrecher“

Natürlich ist es für eine funktionierende sichere Gesellschaft und Wirtschaft notwendig, dass es Regeln und Gesetze gibt und diese auch eingehalten werden. Manchmal aber müssen Regeln gebrochen werden, Grenzen überschritten werden, um etwas Gutes zu erreichen oder etwas Schlimmes abzuwenden oder zu mildern. Das öffentliche Urteil über den Regelbruch ist dabei nicht feststehend oder einheitlich! Deshalb brechen die meisten Menschen sehr selten Regeln. Dafür sind Courage, Gradlinigkeit und Standhaftigkeit notwendig. Charakterzüge, die man selten findet, ja, die sogar belächelt werden. „Wer intelligent ist, bringt sich doch nicht selber in Schwierigkeiten!“ Aber noch viel wichtiger sollte für „Regelbrecher“ ein Höchstmaß an relevanter Information und ein sehr intakter Werte-Kompass sein. Denn nur so kann ein gesellschaftlich allgemein „anerkannter“ Grund oder eine Rechtfertigung für einen Regelbruch gefunden werden.

Meiner Meinung nach ist der erste Grundsatz für einen Regelbruch: Das Ergebnis meines Regelbruchs muss der Allgemeinheit mehrheitlich anerkannt von Nutzen sein und mir selbst keinen persönlichen wirtschaftlichen Nutzen bringen. Die Regelbrüche gegen die Auflagen in Pandemie-Zeiten halten diesen Kriterien nicht stand. Sie sind egoistisch und zutiefst gesellschaftsschädigend und mehrheitlich auch nicht anerkannt. Ob nun der Cum-Ex-Skandal oder die persönliche Bereicherung einiger Politiker durch Corona sollten uns alle anhalten, mal wieder unseren inneren Werte-Kompass zu kalibrieren. (Karl-Heinz Dautz, NeedForChange Unternehmerberatung)

Ihre Meinung ist gefragt!

Wie gehen Sie mit Regeln im Allgemeinen und im Besonderen in diesen ganz speziellen Zeiten um? Wir freuen uns über Ihre Meinung – per E-Mail an g&v-Chefredakteurin Andrea Eggers oder auf der Facebook-Seite der g&v.

Cookie-Popup anzeigen