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Deutscher Gartenbautag: Suche nach neuen Wegen und Lösungen

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Die Energiekrise ist derzeit das beherrschende Thema – so auch beim Deutschen Gartenbautag in Erfurt. Im Vortragsteil ging es daneben um Nachhaltigkeit und Fachkräfte, außerdem gehörten die Verleihung des Deutschen Innovationspreis Gartenbau 2022 an RiPlant und Gemüsebau Steiner sowie die Inthronisierung der Deutschen Blumenfee 2022/2023 zum Programm der zweitägigen Veranstaltung.

Verleihung des Innovationspreises Gartenbau 2022 auf dem Deutschen Gartenbautag (v. l.): Dr. Manuela Rottmann, Richard Petri (RiPlant), die neue Deutsche Blumenfee Regina Haindl, Wolfgang Steiner (Gemüsebau Steiner) und ZVG-Präsident Jürgen Mertz. Foto: ZVG/Schubert

Mertz fordert „Entscheidungen mit Perspektive“

„Wir machen uns große Sorgen um die Zukunft des Gartenbaus“, erklärte Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbands Gartenbau (ZVG), zum Start des Deutschen Gartenbautags am 15. September in Erfurt und forderte im Hinblick auf die aktuelle Energiekrise angemessene Gegenmaßnahmen. „Die bisherigen Ansätze gehen an den Bedürfnissen der Wirtschaft, insbesondere der Klein- und mittelständischen Unternehmen – dem Rückgrat unseres Landes – vorbei“, so Mertz. Mit „klein-klein“ lasse sich die Krise nicht bewältigen, vielmehr brauche es dem ZVG-Präsidenten zufolge „Entscheidungen mit Perspektive“. Der deutsche Gartenbau erwarte deshalb die Rücknahme der Gas-Umlage, die Aussetzung der CO2-Bepreisung sowie die Deckelung der Energiepreise auf dem Niveau von 2021.

Nachhaltigkeit und Fachkräfte Themen im Vortragsteil

Um neue Lösungen und Wege für die Branche ging es im anschließenden Vortragsteil der öffentlichen Mitgliederversammlung. Beleuchtet wurde unter anderem das Thema „Zukunft Fachkräfte im Gartenbau“, hier berichteten dem ZVG zufolge die jungen Betriebsleiter Corinna Henkel (Gärtnerei Wissing) und Arne Dörries (Gärtnerei Dörries), wie sie erfolgreich Auszubildende gewinnen und wo sie Handlungsbedarf für die Branche sehen. „Wir müssen uns gemeinsam als Unternehmer engagieren, um den Nachwuchs für die Branche zu begeistern“, unterstrich Dörries dabei. „Der direkte Kontakt in die Schulen und Berufsschulen ist unerlässlich, um die Auszubildenden von morgen zu finden“, ergänzte Henkel.

Ideen für das sich in der Entwicklung befindliche Bewertungssystem zur Nachhaltigkeit im Rahmen des Betriebsvergleichs Gartenbau 4.0 stellte Robert Luer vom Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau (ZBG) vor. „Der Gartenbau in seiner Heterogenität stellt uns dort vor besondere Aufgaben, denen wir uns aber stellen müssen“, so Luer. Über die möglichen Auswirkungen der grünen Taxonomie der EU auf den deutschen Gartenbau sprach dagegen Prof. Dr. Enno Bahrs von der Universität Hohenheim und riet den Betrieben, sich bereits jetzt mit dem Thema Nachhaltigkeitsindikatoren zu beschäftigen. „Künftig wird sich ein Betrieb günstiger finanzieren können, der nachweislich nachhaltig wirtschaftet“, so Bahrs.

Innovationspreis Gartenbau für Gemüsebau Steiner und RiPlant

Dr. Manuela Rottmann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), verlieh am 15. September nach ihrem Grußwort den Deutschen Innovationspreis Gartenbau 2022. Gleichwertig in der Kategorie Kooperation/ Betriebsorganisation/ Unternehmenskonzept ausgezeichnet wurden damit laut ZVG die Gemüsebau Steiner GmbH & Co. KG sowie die RiPlant GmbH. „Nachhaltigkeit im Gartenbau ist ein fundamentales Zukunftsthema für die Branche. Die Preisträger des Innovationspreises Gartenbau zeigen, wie wertvolle Lebensmittel produzieren, Energiesparen und die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfolgreich Hand in Hand gehen. Zu diesem vorbildlichen Engagement gratuliere ich Ihnen“, so Rottmann bei der Preisverleihung.

RiPlant erhielt den Innovationspreis Gartenbau 2022 für die „Kooperation Hops – Allianz der Hoptimisten“, die aus mehreren Unternehmen besteht – beteiligt sind Elsner pac im Bereich Züchtung und Vermehrung, der Produktionsbetrieb Gartenbau Filla vom Niederrhein, der Versandfachhandel Gärtner Pötschke und die Kommunikationsagentur RiPlant – und bereits bei den TASPO Awards 2021 in der Kategorie „Produktidee des Jahres“ den ersten Platz belegte. Ziel der Kooperation ist es, Aromahopfen beim Verbraucher als Gartenpflanze zu etablieren. Dabei nutzte die „Allianz der Hoptimisten“ bei der Markteinführung der Marke Hops das positive Hopfenimage im Kontext der „Craftbeer-Bewegung“. Laut der Jurybegründung hat die Kooperation dank kluger Kommunikation, einer durchdachten Positionierungsstrategie im Handel und schnellen, reibungslosen Abläufen in der vertikalen Produktionskette „gute Voraussetzungen, um nicht nur das Produkt und die Marke Hops, sondern vor allem auch das Kooperationsmodell zu einem Vorbild für andere Betriebe zu machen“.

Der zweite Innovationspreis Gartenbau in diesem Jahr ging an Gemüsebau Steiner für das Unternehmenskonzept „Nachhaltigkeit im Unterglasanbau von Fruchtgemüse“. Dabei werden laut der Jury „in innovativer Weise verschiedene Nachhaltigkeitsmaßnamen bei Produktion und Vermarktung von Fruchtgemüse im Unterglasanbau (Tomaten, Paprika und Erdbeeren) auf 24 Hektar Fläche an den zwei Standorten in Kirchweidach und Emmerting“ kombiniert. Insbesondere die regionale Vermarktung über den Lebensmitteleinzelhandel in ganz Bayern und das im Kern auf der kombinierten Nutzung verschiedener nachhaltiger Wärmequellen basierende Energiekonzept seien dabei hervorzuheben. In Kirchweidach werden demnach Geothermie sowie der Warmwasser-Rücklauf aus dem ebenfalls Geothermie-gespeisten Fernwärmenetz der Gemeinde sowie die Abwärme einer Biogasanlage genutzt, während in Emmerting die Abwärme einer Müllverbrennungsanlage zum Heizen verwendet wird. Der Strom für eine Zusatzbelichtung mit energiesparenden LEDs werde dort über eigene Photovoltaikpaneele gewonnen.

„Auch wenn der zentrale Punkt des Energiekonzepts – die Geothermie-Nutzung – noch keine allgemeingültige Lösung für die Energieversorgung im Gartenbau darstellt, weil Geothermie nicht überall verfügbar ist, kann dieser Ansatz eine inspirierende Wirkung für die Branche entfalten, da er aufzeigt wie Nachhaltigkeit entwickelt und vermarktet werden kann“, urteilte die Jury des Innovationspreises Gartenbau. Daneben würden auch andere Nachhaltigkeitsmaßnahmen, wie beispielsweise das Wassermanagement-Konzept und der Nützlingseinsatz zu einem innovativen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmenskonzept beitragen.

Neue Deutsche Blumenfee und Bilanz des Verbandsjahrs

Darüber hinaus wurde auf dem Gartenbautag die neue Deutsche Blumenfee inthronisiert. Wie der ZVG berichtet, wird die gelernte Staudengärtnerin und Schülerin der Flower Art Academy Regina Haindl den Gartenbau und die Floristik für ein Jahr in der Öffentlichkeit präsentieren.

Bei der nicht öffentlichen Mitgliederversammlung am 16. September zog ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer Bilanz über das vergangene Verbandsjahr, das vor allem in den letzten Monaten von intensiven Bemühungen zur Entlastung der Betriebe angesichts explodierender Energiekosten geprägt gewesen sei.

Ehrungen und Bestätigungen im Amt

Darüber hinaus wurden auf dem Deutschen Gartenbautag in ihren Ämtern bestätigt:

  • Wilhelm Böck als ZVG-Vizepräsident und Schatzmeister des Verbands
  • Thomas Koch als Vorsitzender des ZVG-Arbeitsausschusses für Technik und Bauwesen
  • Jürgen Mertz als Vorsitzender im Ausschuss für Sozialfragen

Für sein Engagement für den Gartenbau und die Gartenkultur wurde zudem der langjährige MDR-Fernsehjournalist Jens Haentzschel mit der Ernst-Schröder-Münze des ZVG in Silber ausgezeichnet. Die ZVG-Ehrennadel in Gold für seine ehrenamtliche berufsständische Arbeit für den deutschen Gartenbau erhielt dem Verband zufolge der Trierer Gärtnermeister Matthias Melchisedech.

 

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