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13. 12. 2017

Kalligrafen: Von Beruf Schönschreiber

Hauptbetätigungsfeld der Kölner Kalligrafen ist die Bestattungskultur. Foto: privat

Die Auguren beteuern: Die Digitalisierung wird weite Teile der Berufswelt umkrempeln. Viele Bereiche der Dienstleistungsbranche werden heftigen Transformationen unterworfen sein. Bei solchen Aussichten ist es schon außergewöhnlich, wenn irgendwo, wie einst im kleinen gallischen Dorf von Asterix und Obelix, bewährte Traditionen verteidigt werden und eine der ältesten Kulturformen der Menschheit gepflegt wird – die Kalligrafie.

Schönschreiber auf dem Blumengroßmarkt Köln

Das kleine gallische Dorf heißt heute Köln, und es gibt dort nicht nur einen, nein, es gibt gleich drei Kalligrafen. Der eine, Marian Moritz, ist 33 Jahre alt, Markus Walter ist 45 Jahre alt und Willi Müller ist mit 72 Jahren der Senior. Alle drei betreiben ihre Geschäfte als „Schönschreiber“ über den Blumengroßmarkt in Köln. Und alle drei können, eigentlich kaum zu glauben in Zeiten von 3D und Robotik, davon leben. Und zwar gut, die drei Handarbeiter zeigen sich im Gespräch zufrieden mit der geschäftlichen Gegenwart und hoffnungsvoll mit Blick auf das Morgen.

Der berufliche Lebensweg des Seniors Willi Müller steht exemplarisch für die ihm nachfolgenden Kalligrafen-Generationen. Er hat vor einem halben Jahrhundert die Kunstgewerbeschule besucht, die Eltern führten ein Blumengeschäft, durch „Zufall und einen Bekannten“ kam er mit Schleifenbeschriftung in
Berührung und 1975 übernahm er auf dem BGM Köln das Unternehmen seines Vorgängers Faßbender.
Seither ist er „jeden Tag von 5.30 bis 10.00 Uhr“ auf dem BGM Köln und schreibt in Schön.

Der Junior Marian Moritz hat vor einem Jahr nach dem Tod seines Vaters Achim als gelernter Werbetechniker die Geschäfte in Köln übernommen. Sein Vater hatte die Profession (oder besser: Passion) vor seiner 30-jährigen Tätigkeit ebenfalls von seinem Vater übernommen, der, wie der Enkel weiß, „noch mit der Hand viele Werbeschilder für Brauereien gemalt hat“.

Bestattungskultur Hauptfeld für Kölner Kalligrafen

Es werden zwar auch Urkunden beschrieben oder ab und an eine Schärpe für den Karneval, doch das Hauptbetätigungsfeld der Kölner Kalligrafen ist die Bestattungskultur. Die hat sich bekanntlich in der jüngeren Vergangenheit stark verändert, somit auch das Arbeitsfeld der „Schleifenmaler“. Die Exponate sind im Durchschnitt kleiner als noch vor einigen Jahren – die Schleife für eine Urne ist natürlich kleiner als für einen Kranz.

Geprägt werden die Arbeitsabläufe auch immer stärker durch zunehmende Kurzfristigkeit. Die Aufträge erreichen die Kölner Kalligrafen über alle heute etablierten Kommunikationswege. Die Regel heißt: Heute bestellt, morgen soll alles fertig auf dem BGM bereitliegen. Wobei diese Entwicklung von den Hinterbliebenen forciert wird. Die Menschen gehen heute halt von unmittelbarer Lieferung aus – warum soll das bei Schleifen anders sein? Abgeholt werden die Schleifen in der Regel persönlich auf dem Blumengroßmarkt, verschickt wird nur ein geringer Teil.

Floristen sollten auf Schönschrift-Service hinweisen

Da stellt sich natürlich die Frage – nutzen die Floristen diese Möglichkeiten, weisen sie die Hinterbliebenen im Beratungsgespräch darauf hin? Und in diesem Zusammenhang: Wird eigentlich darauf verwiesen, dass es sich bei der „Schleifenmalerei“ wirklich noch um reinstes Handwerk handelt? Für so manchen Bestattungskunden könnte dies eine wichtige Information sein, ist doch ein Trauerfall eine emotionale Angelegenheit und Handarbeit bekanntlich heute etwas Außergewöhnliches.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Dezember-Ausgabe der g&v.

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