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Konzept „Cool Flowers“ – ein Biobetrieb auf neuen Wegen

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Bis vor einigen Jahren war „Floralita“ ein herkömmlicher Produktionsbetrieb, bekannt vor allem für seine Schnittrosen. Der Absatz erfolgte hauptsächlich über Landgard und den Blumengroßmarkt, so Inhaber Markus Schmälzle. Als vor neun Jahren Tochter Sonia Grimm, studierte Landschaftsarchitektin, dazu kam, leitete das eine komplette Wende der Ausrichtung ein.

Kunden lieben die duftende Auswahl an Bioschnitt- und -trockenblumen bei „Floralita“. Foto: Katrin Klawitter

Regenerativer Anbau von Schnittblumen

Heute setzen Vater und Tochter gemeinsam nicht nur auf einen biologischen, sondern auf einen regenerativen Anbau von Schnittblumen. „Es war ein guter Zeitpunkt für Veränderungen“, blickt Markus Schmälzle zurück: „Wir hatten mit Rosen eine zu einseitige Produktion, wollten keinen chemischen Pflanzenschutz mehr im Betrieb haben, dazu kam der Importdruck.“

Derzeit baut das Unternehmen in Sinzheim nahe Baden-Baden über 100 Pflanzenarten als Schnittblumen an, bis auf zwei Kulturen alles in Bioqualität. Floralita bietet seine Produktion ausschließlich über die eigene Vermarktung an – zum einen über das eigene Fachgeschäft ab Hof, zum anderen über den Online-Verkauf und Versand an Floristen. „Wir verkaufen deutschlandweit Bioblumen an alle, die es zu schätzen wissen“, umreißt das Sonia Grimm.

Umstellung auf Produktion nach EU-Bioverordnung

Vor drei Jahren hat Floralita offiziell auf eine Produktion nach EU-Bioverordnung umgestellt. Wichtig seien Logo und Zertifizierung auch für die Kunden. „Das gibt ihnen die Gewissheit, sie unterstützen mit ihrem Kauf etwas Sinnvolles.“ Der Verkauf läuft gut: „Es gibt eine bestimmte, kaufstarke Kundengruppe, die bewusst einkauft und sich auf Bioblumen fokussiert – auch jetzt, nach Corona noch“, wissen die Unternehmer.

Einen beträchtlichen Anteil mit 15 Prozent des Privatverkaufs machen Trockenblumen aus. Hier profitiert „Floralita“ eindeutig vom aktuellen Trend: Kränze, Loops, Sträuße, wechselnd zusammengestellte Online-Trockenblumenpakete – Biotrockenware ist heiß begehrt. „Trockenblumen sind der Renner, auch online“, so Sonia Grimm.

In den Gewächshäusern wird nie geheizt

Sämtliche Schnittblumem säen Schmälzles selbst aus, mit einem Handsägerät in Einzelkornsaat. Das Saatgut kommt teilweise von Bioanbietern wie Sonnensaat oder Bingenheimer. Sortiment und Sorten sind so gewählt, dass ein langsamer, kontinuierlicher Blütenflor da ist, um den Verkauf durchgängig zu bedienen. Schmälzles setzen ausschließlich auf „Cool Flowers“. Bedeutet: Geheizt wird in den Gewächshäusern gar nicht. Allerdings erreichen die Temperaturen in dieser südlichen Klimaregion selten Werte unter minus fünf Grad im Winter. „Cool Flowers fasziniert unsere Kunden, gerade angesichts der aktuellen Heizkostenproblematik“, weiß die junge Unternehmerin.

Konzentration auf Schnittkulturen

Aus arbeits- und vermarktungstechnischen Gründen konzentriert sich das Unternehmen nur auf Schnittkulturen. „Topf und Schnitt zeitgleich auf Bio umzustellen, wäre zu viel auf einmal gewesen.“ Deshalb kauft es einiges an Topfpflanzen von Biokollegen zu. Zunehmend arbeitet der Betrieb mit Mischkulturen – Ranunkeln, Bartnelken, Anemonen und Co. stehen in nebeneinander liegenden Beeten, manchmal auch in einem zusammen. „Wir entwickeln damit ein Ökosystem, das nimmt den Schadensdruck enorm raus“, sagt Sonia Grimm.

Rosen stehen nur auf rund 20 Prozent der Gesamtfläche, ungewöhnlich für einen ehemaligen Rosenschwerpunktbetrieb. Zwar habe man die Pflanzenschutzproblematik bei Rosen im Griff. „Aber nach unseren Erfahrungen kaufen Kunden maximal zwei oder drei Rosen in einem Strauß“, sagt Sonia Grimm – Tendenz rückläufig. Und wenn, dann eher Besonderes – und da gibt es noch wenig für den Bioanbau geeignete Sorten.

► Mehr über den Biobetrieb „Floralita“ und ob sich der Anbau rechnet, erfahren Sie in unserem ausführlichen Beitrag in TASPO 47/2022.

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