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Nachgefragt: Trockenblumen – ja oder nein?

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Der Gartencenter-Filialist Pflanzen Kölle versechsfachte seinen Umsatz mit Trockenblumen seit 2016. Das Trendthema Boho holte Pampasgras und Co. aus verstaubten Kellerregalen. Trendströmungen sind eine Kraft, die nicht zu unterschätzen ist. Aber muss man bei jedem Trend mitziehen? Wir haben in Blumenfachgeschäften nachgefragt.

Während die Nachfrage nach Trockenmateralien wächst und im Internet immer neue Anbieter auftauchen, stehen einige Floristinnen und Floristen diesen Segmenten skeptisch gegenüber. Foto: Amina Filkins/Pexels

„Das Thema Trockenblumen ist etwas abgeflacht“

Tina Attenberger, Blüh auf! (Recklinghausen): „Ich finde den Begriff ‚Trends‘ schwierig. Ich glaube stark, dass wir von unserer Stimmung und der allgemeinen Stimmung der Gesellschaft abhängig sind beziehungsweise mit ihr und durch sie agieren müssen. Geschmack ist aber immer noch relativ. Wir bei ‚Blüh auf!‘ schauen stark jahreszeitenabhängig, womit wir Leute begeistern können und entwickeln eigene Ideen. Wenn Produkte dies ergänzen, ist das natürlich optimal. Klar ist dennoch nach diesem ‚Trockenblumen-Hype‘, dass die Linien klarer geworden sind. Unter dem Strich sind wir froh, dass das Thema Trockenblumen etwas abgeflacht ist. Aktuell machen sie rund 20 Prozent des Umsatzes aus. Im letzten Jahr waren es monatsweise sogar 80 Prozent! Schön, dass die Kunden zurück zum Frischen gelangen, aber die Trockenblumen haben uns auch neue Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen wir unsere Gestaltung bereichern können. Das Sortiment ist so groß, dass wir noch individueller auf Kundenwünsche nach großer Haltbarkeit und damit auch Nachhaltigkeit eingehen können, was uns natürlich am Herzen liegt.“

„Durch diesen Trend geht nur noch mehr das Saisonale verloren“

Dorothee Ellinger, Blumen Ellinger (Stuttgart): „Ich schaue schon nach Trends, aber vor allem bei Bedarfshändlern. In den Jahren habe ich gemerkt, dass ein Trend erst etwa zwei Jahre nachdem er ausgerufen wird, tatsächlich von meinen Kunden gekauft wird. Wichtig ist aber dabei auch, dass man sich von der Konkurrenz abhebt. Ich kaufe zum Beispiel meine Zusatzartikel vor allem bei einer Firma, die hier in Stuttgart nur uns und einen weiteren Blumenladen beliefert. So haben wir, was nicht jeder hat. Aber man kann noch so tolle Ware bestellen – Trend hin oder her – dieses Jahr haben wir die Lieferschwierigkeiten der Bedarfshändler zu spüren bekommen. Das war nicht lustig. Zum Thema Trockenblumen: Das war ja alles schon einmal da. Die habe ich in meiner Ausbildung in Massen verarbeitet. Wenn ich nur an Strohblumenkugeln denke… Da sitzt die Erinnerung tief. Ein bisschen haben wir da. Aber wer kauft einen Stiel gebleichten Ruscus für acht Euro? Niemand! Vor allem dann nicht, wenn Pflanzen Kölle, nicht weit von hier, es im Bund zu günstigeren Preisen verkaufen kann. Außerdem geht durch diesen Trend nur noch mehr das Saisonale verloren. Jede Jahreszeit hat ihre Highlights. Getrocknete und gebleichte Bougainvillea hat in meinen Augen all ihren mediterranen Charme verloren.“

„Frische Blumen stehen weiterhin ganz klar an erster Stelle“

Florian Kurz, Kurz Blumen (Korntal-Münchingen): „Insgesamt sind wir zu allererst bemüht, stets ein gutes und frisches Angebot des klassischen Sortiments vorzuhalten. Es ist aber unbestritten so, dass sich manch ein Trend dermaßen etabliert und einen Platz in der Floristik einnimmt, dass er nicht so schnell wieder verschwindet. Dazu kann man in den letzten Jahren sicherlich das Wiederaufkommen der Trockenblumen zählen. Wir – in Person ist das in Bezug auf die Trockenblumen zuallererst meine Frau Eva López – haben daher zuletzt unser Engagement in diesem Bereich stark ausgeweitet. Genaue Zahlen dazu kann ich spontan gar nicht nennen, jedoch kann man schon klar sagen, dass der Anteil an Trockenblumen gegenüber der Zeit vor drei Jahren deutlich zugelegt hat. Wobei weiterhin die frischen Blumen ganz klar an erster Stelle stehen, und das wird hoffentlich auch so bleiben.“

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