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Schnittblumen: höheres Preisniveau halten?

Die Schnittblumen-Einkaufspreise sind in diesem Jahr teils deutlich gestiegen, der Blumenfacheinzelhandel konnte sie aber weitgehend weitergeben. Was ist aber, wenn die Preise wieder sinken, sollen die Floristen dann auch wieder auf ein niedrigeres Niveau zurück? Martin Hein hat sich umgehört und ist dabei auf einen klaren Meinungstrend gestoßen.

In den Blumenfachgeschäften war und ist es spürbar: Die Einkaufspreise – insbesondere bei Schnittblumen – haben seit Beginn des Jahres deutlich angezogen. Foto: Sonia Fotograf/Unsplash

Hohe Nachfrage und niedriges Angebot als Ursache

Bezogen auf den Endverkauf stiegen die Preise für Blumen und Pflanzen laut Statistischem Bundesamt um 22,2 Prozent (Angaben März) gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch andere Produkte wurden teurer, Gemüse um 14 Prozent, Obst um fast 30 Prozent. Bei Blumen und Pflanzen vermuteten die Statistiker als Ursache für die Entwicklung eine Kombination aus hoher Nachfrage und niedrigem Angebot. Viele Branchen haben schon im Frühsommer weitere Preiserhöhungen angekündigt. Mehrere Ursachen werden genannt: Pandemiebedingte Produktionseinschränkungen, Überlastung der Lieferketten, hohe Transportkosten, nicht ausreichende Rohstoffproduktion, ein überraschend schnelles Anspringen der Weltwirtschaft nach der Corona-Krise. Fakt ist: Preiserhöhungen in vielen Bereichen werden in der nächsten Zeit die öffentliche Diskussion bestimmen.

Blumeneinzelhandel konnte gestiegene Einkaufspreise weitergeben

Wenn überall von Preiserhöhungen die Rede ist, können dann auch die Floristen endlich einmal etwas mehr verdienen? Eine diesem Beitrag zugrundeliegende, nicht repräsentative, aber glaubwürdige Umfrage kommt zu dem Ergebnis: Der Blumeneinzelhandel konnte die gestiegenen Einkaufspreise weitergeben. „Einige ältere Kunden haben die Preissteigerungen bemerkt, jüngere Kunden eher nicht. Deutlich beschwert hat sich niemand“, ist die Erfahrung von Christine Steinbach, Blumenfachgeschäftsinhaberin in Karlsruhe. Weiter im Norden hat auch Kai Jentsch (Bargteheide in Schleswig-Holstein) die höheren Einkaufspreise „weitergegeben. Die Kunden haben das bemerkt, aber niemand hat sich beschwert.“ Und in Nordrhein-Westfalen sagt Floristmeisterin Bianka Rudloff: „Die Preissteigerungen beim Schnitt konnte ich zu großen Teilen weitergeben. Auch bei Beet- und Balkonware haben Anbieter wie Landgard die Preise deutlich angehoben. Die Gärtner auf dem Kölner Blumengroßmarkt hingegen nicht.“ Was heißt: Nicht überall und bei allen Produkten waren die Preissteigerungen identisch.

Preis beim Kauf von Blumen nicht allein entscheidend

Die Floristen haben von den Preiserhöhungen selbst kaum partizipiert, sie haben nur die höheren Einkaufspreise weitergegeben. Da sich die Preise „wieder etwas normalisiert haben“ (Kai Jentsch), stellt sich die Frage: Sollte auch der Blumenfacheinzelhandel wieder das Niveau senken? „Bei einzelnen Sorten vielleicht, doch generell werden wir das Niveau halten“, meint Christine Steinbach, Bianka Rudloff wird ebenso handeln. Allerdings ist ihr aufgefallen: „Die Wertigkeit von Blumen ist bei vielen Konsumenten höher geworden, sie sind qualitätsbewusster. Früher lag unser Mittel bei Sträußen zwischen 20 und 25 Euro, heute werden nicht selten 40 Euro investiert.“ Auch Rainer Obermeyer, Geschäftsführer des Blumengroßmarkts Ulm, meint: „Beim Kauf von Blumen und Pflanzen sind viele Kunden gar nicht so auf den Preis fixiert, wie oft behauptet wird. Das zeigt doch der Onlinehandel von Pflanzen, da spielt der Preis so gut wie keine Rolle.“ In diese Richtung denkt auch Kai Jentsch: „Der Preis allein ist nicht entscheidend, er steht immer in Korrespondenz mit der Qualität.“ Wer als Kunde schlechte Qualität kauft, der wird enttäuscht sein – egal, wie niedrig der Preis war. (mh)

► Mehr zum Thema Schnittblumen-Preise und zur Preisgestaltung des Blumenfacheinzelhandels lesen Sie in der August-Ausgabe von g&v.

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