News

Tino Hoogterp: "Oft sind wir der ‚Blümchenmann‘"

In diesem Jahr wurde erstmals vom Fachverband Deutscher Floristen (FDF) in Kooperation mit der "just chrys"-Kampagne der Influencer Awards 2018 vergeben. Floral-Gestalter und Jungflorist Tino Hoogterp holte sich den Titel. Die g&v sprach mit ihm über seinen Sieg, den Ausbildungsberuf des Floristen und warum dieser viel mehr zu bieten hat als sein Ruf.

Der Gewinner des FDF Influencer Awards Tino Hoogterp und das Korsagen-Werkstück an Sarah Hasenhündl. Foto: Natalie Amelung

Der begehrte Influencer Award im Rahmen des FDF-Flower Festivals im FloristPark in Gelsenkirchen. Foto: FDF

Sie wurden zum Gewinner des FDF Influencer Awards gekürt. Wofür steht der Award, und womit haben Sie die Jury überzeugt?

Der Award wurde 2018 erstmals vergeben und zeichnet ein besonders social-media-affines „just chrys“-Werkstück aus. Ich habe in der vorgegebenen Zeit eine Corsage aus Santini Blütenköpfen gefertigt. Für dieses Werkstück fixierte ich die Santini-Köpfe auf einer Unterlage die ich später mit Schnüren zur Corsage umfunktionierte.

Warum haben Sie sich für den Beruf des Floristen entschieden?

Dank meiner Eltern bin ich in diese Branche hineingewachsen. Es war aber nicht sofort Liebe auf den ersten Blick. Erst durch das Zusammenarbeiten mit Floristen wie Manfred Hoffmann, Johann Obendrauf, Elly Lin aus Taiwan, Jouni Seppanen aus Helsinki und der Ausbildung zum staatlich geprüften Gestalter für Blumenkunst (Florist-Techniker Weihenstephan) habe ich diesen Beruf neu für mich entdeckt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration als Florist?

Ich lese verschiedene Fachzeitschriften, egal ob für Floristen oder Gärtner und Co. und finde Inspiration in Architektur, Mode, Kunst und Musik. Viele dieser Einflüsse sieht man auch in meinen Werkstücken.

Sie schreiben neben Ihrem Image Film auf YouTube, dass der Beruf des Floristen einen schlechten Ruf hat. Warum? Und wie wollen sie das ändern?

Ich finde es schade, dass der Beruf des Floristen oft nicht ernst genommen wird. Dabei ist es gleich, ob es Freunde, Kunden oder andere Branchen sind. Oft sind wir der „Blümchenmann“ oder „Basteln einen Strauß“. Wenn ich höre, dass Schülern abgeraten wird unseren Beruf zu erlernen, weil man als Florist nichts erreichen kann, dann wird mir anders. Was ich auch oft höre: „Ausbildung, drei Jahre? Warum das denn? Was muss man da lernen?“. All diese Reaktionen machen mich traurig und manchmal wütend. Nicht ich allein will das Image ändern. WIR Floristen sollten was ändern. Wir sollten wieder stolz auf diesen Beruf, Ausbildung, Meistertitel sein. In einer Präsentation meines Image Films habe ich der Gruppe Azubis genau das gesagt: „Seid stolz auf diesen Beruf. Für mich kann kein anderer Beruf so viele Emotionen wie Trost, Liebe, Mitgefühl, Freude und Co vermitteln. Das Ganze mit nur einer einzelnen passenden Blüte!“

Laut dem Bundesverband Deutscher Floristen sinken die Zahlen von Floristen-Nachwuchs. Die Branche sucht daher händeringend nach Nachwuchs. Woran könnte das liegen?

Der Beruf ist einfach nicht mehr sexy genug für Schüler, die sich nach Ausbildungsplätzen umsehen. Kaum einer der Schüler weiß, dass es ein Ausbildungsberuf ist und was dieser Beruf alles kann. Das Image des Floristen ist in meinen Augen eingestaubt. Klar, auf Messen und Demos zelebrieren wir unseren Beruf und zeigen (inter-)national was wir können jedoch in der Öffentlichkeit bekommt da kaum jemand was mit. Wir sollten nicht nur auf Messen zeigen was wir können, sondern sollten vielleicht auch mal in die Schulen gehen und VOR ORT zeigen, was dieser Beruf kann. Genau das habe ich schon mit ehemaligen Mitschülern aus Weihenstephan besprochen. Wir wollen den Schülern, egal auf welcher Schule sie sind, zeigen, wie toll dieser Beruf ist und dass es sich lohnt die Ausbildung zu machen.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen im Rahmen Ihrer Arbeit?

Immer wieder den Kunden mit neuen Ideen, Werkstücken zufrieden zu stellen. Egal ob Taufe, Hochzeit, Trauer oder große Dekorationen wie bei einer Produktpräsentation, Messestände. Genau die Vorstellungen und den Geschmack des Kunden oder Auftraggebers zu treffen.

Sie arbeiten in einer frauendominierten Branche. Wie gehen Sie damit um?

Bei meinem aktuellen Arbeitgeber Flor & Decor in München sind wir sechs Leute, davon vier Männer. Ich muss gestehen, früher in der Disco war oft nach dem Erwähnen des Berufs Schluss mit flirten, da hatten "Männer-Berufe" schon mehr Chancen bei den Mädels! Ein junger Typ meinte damals mal zu mir, dass ich einen Mädchen Beruf hätte, meine Reaktion war relativ trocken: "Mein Mädchen Beruf rettet dir den Hintern, wenn du wieder einmal Mist gebaut- oder den Jahrestag vergessen hast". Fortan war ich der Florist seines Vertrauens und er kam regelmäßig um Blumen zu kaufen. Auch habe ich festgestellt das manch männlicher Kunde überfordert ist mit dem Kauf von Blumen. Sie sind erleichtert, dass sie dann von "Mann zu Mann" reden können, nach dem Motto "Der Florist versteht mich".
(Yasmin-Coralie Berg)

 

E-Paper jetzt lesen!

Jetzt lesen!