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Zusatzsortimente: Fachgeschäftscharakter bewahren

Feinkost, Wein, Geschirr, Textilwaren, Kleinmöbel – es gibt viele „branchenfremde“ Zusatzsegmente, deren Artikel sich mit Blumen und Pflanzen kombinieren lassen. Doch was lohnt sich wirklich? Und worauf sollten Floristik-Fachgeschäfte bei ihrer Sortimentsgestaltung achten? Martin Hein hat für g&v einige Branchenstimmen zum Thema eingefangen.

Zusatzsortimente: Solche Stofflamas waren in der Saison schnell ausverkauft, auch die Taschen aus Seegras werden unter dem Aspekt „nachhaltiges Naturprodukt“ gut nachgefragt. Foto: Florissima

Nachfragen, wo Floristen kaufen: Wie entwickeln sich Zusatzsegmente?

Geht es um Zusatzartikel, die nicht wie Gefäße oder auch Grußkarten zum unmittelbaren Sortiment eines Blumenfachgeschäftes gehören, dann kann es keine allgemeingültigen Empfehlungen geben. Zu unterschiedlich sind die Kundenstrukturen, Standorte und räumlichen Bedingungen bei den Floristen. Will man aber wissen, wie sich Zusatzsegmente entwickeln, sollte man unter anderem dort nachfragen, wo die Floristen solche Produkte einkaufen.

„Ein paar Randprodukte sind schon okay, aber man darf nicht die Kompetenz eines Fachgeschäftes verlieren. Die Kunden kaufen in Fachgeschäften, weil sie das Vertrauen in ausgewiesene Fachleute haben“, antwortet Karina Strecker, zuständige Einkäuferin beim Floristen-Bedarfsartikelhändler „streckerhandelt“ auf die Frage nach branchenfremden Zusatzprodukten in Floristik-Fachgeschäften. Das ist sicher richtig und jeder sollte sich fragen: Kann man als Spezialist für Pflanzen und Blumen gleichzeitig Fachfrau für Wein oder Pasta und Pesto sein?

Und doch – auch „streckerhandelt“ macht gute Umsätze mit Zusatzprodukten. Bunte Lamas aus Stoff waren in der Saison schnell ausverkauft, stark nachgefragt waren Taschen aus Seegras, ebenso Teller und Coffee-to-go-Becher aus Bambus, Kleinmöbel aus Indonesien, Geschirr und Gläser laufen ebenfalls gut. Es bleibt aber generell richtig, die Kernkompetenz zu bewahren.

Kunden erwarten im Fachgeschäft fundierte Beratung – zu allen Produktgruppen

„Wir haben so einiges probiert, etwa Gewürze, doch gibt es bei uns keinen Markt für so etwas“, erläutert Susanne Bühler, die gemeinsam mit ihrem Mann Thilo ein Gartencenter in Karlsruhe-Wolfartsweier führt. Die fehlende Kundenresonanz könnte auch damit zusammenhängen, dass „wir diese Zusatzprodukte nicht wirklich gut präsentieren können, es fehlt dafür an Platz“. Wenn man Zusatzsortimente anbiete, dann solle man das „auch richtig machen, dann muss schon eine größere Auswahl präsentiert werden“. Zudem würden immer „Reste übrig bleiben, von denen man nicht weiß, was man dann damit macht“.

Susanne Bühler ist auch davon überzeugt, dass „in einem Fachgeschäft fundierte Beratung gewünscht wird“. Diese Kundenerwartung beträfe dann alle Produktgruppen. „Wenn wir etwa Weine anbieten würden, dann müssten wir auch das entsprechende Wissen darüber vermitteln können.“ Das sei „schwierig bis unmöglich“ – insbesondere in einem ausgewiesenen Weinanbaugebiet mit vielen Anbietern.

Kunden muss klar sein, im Blumenfachgeschäft zu sein

In diese Richtung denkt ebenfalls Corinna Schroeder, die in Hamburg-Altona ein Blumenfachgeschäft (und den FDF Hamburg) führt: „Ich halte von diesen branchenfremden Zusatzsortimenten nichts.“ Sie schränkt aber zugleich ein, dass solche Produktentscheidungen „vollkommen abhängig von der Struktur des jeweiligen Geschäftes sind.“ Bestimmte Produktbereiche würden sich ja auch anbieten: „Wohnaccessoires sind naheliegend, auch Kleinmöbel können passen – oder in der Outdoor-Saison beispielsweise Fackeln. Das Portfolio darf aber keinesfalls in ein Sammelsurium ausarten, es muss für die Kunden immer auf den ersten Blick klar sein: Ich befinde mich in einem Blumenfachgeschäft.“ (Martin Hein)

Mehr zum Thema „Zusatzsortimente“ lesen Sie in der g&v 9/2019, die Sie in unserem Online-Shop abrufen können.